Danke

Ich bin total überwältigt von eurem Feedback. Knapp 3000 Visits an einem Tag – total irre.

Viele zollten mir ihren Respekt, dass ich das alles so offen zu Schreiben vermag. Ehrlich gesagt, fällt mir das bei den meisten Passagen sehr leicht. Denn ich schreibe nicht über mich. Nicht über die Sophie, die PR-Managerin war. Ich habe mich in den letzten eineinhalb Jahren selbst total verloren. Manchmal bin ich gar nicht mehr da – dann funktioniert mein Körper quasi allein. Manchmal bin ich da und stelle fest, dass ich gar nicht mehr weiß, was ich diesem Körper und Kopf zumuten kann. Alle automatisierten Abläufe und abgespeicherte Grenzbelastungen stimmen nicht mehr. Je öfter ich das aufgeschriebene lese, desto mehr wird es eine Geschichte, die ich erzähle. Ich erzähle nicht von mir. Ich bin gerade auf Urlaub. Manchmal schaue ich vorbei, so wie jetzt gerade. Manchmal bin ich aber ganz weit weg. Weil ich das alles um mich herum oder in mir drin nicht ertragen kann. Diese Momente sind gottseidank sehr selten geworden. Aber noch immer fühle ich mich unwohl mit diesem Körper, der bei der Seniorengymnastik Muskelkater bekommt und diesem Kopf, der nach einer Stunde Gespräch eine Pause braucht.

Irgendwann werde ich wieder ganz da sein und dann wird mir das Schreiben vielleicht nicht mehr ganz so leicht fallen. Aber in zwei Dingen bin ich mir sehr sicher: Dass mir das Schreiben hilft, diese Episode meines Lebens zu verarbeiten und, dass ich das Richtige tue. Irgendjemand muss doch mal den Mund aufmachen und allen da draußen erzählen, wie scheiße so ein Burnout wirklich ist. Dass man sich nicht einfach ein paar Monate von den Strapazen der ach-so-stressigen-Arbeit oder dem ach-so-stressigen-Privatleben erholt. Sondern, dass man sein Leben verliert. Das, was man geglaubt hat zu sein. Und dass es alles andere als ein Spaziergang ist, wieder annähernd zu dem Punkt zurückzukommen, an dem man aufgehört hat, man selbst zu sein. Ich bin seit zweieinhalb Monaten krankgeschrieben und seit fünf Wochen in klinischer Behandlung – und immer noch meilenweit weg von irgendeiner Art von mir selbst, die fähig wäre, ein normales Leben zu führen.

Ich habe in den letzten Wochen sehr viele verschiedene Menschen kennen gelernt. Und ich ziehe den Hut vor allen, die trotz einer dauerhaften psychischen Erkrankung immer wieder von neuem die Kraft finden, aufzustehen und die immer wieder versuchen, das Beste aus jedem Tag zu machen, egal wie schwer es gerade fallen mag. Und vor allen Dingen mit dem Wissen zu leben, dass da draußen verdammt viele Menschen sind, die einen nicht kennen, von der eigenen Geschichte und Persönlichkeit keine Ahnung haben, aber sich dennoch dazu in der Lage sehen, über einen zu urteilen.

Hut ab vor euch allen. Ihr seid Helden.

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