„Sophia“ stand schon länger auf meiner Liste der Bücher, die ich euch gerne ans Herz legen würde. Aus gegebenem Anlass schreibe ich heute darüber.
Rafik Schami, der 1946 in Syrien geboren wurde und seit 1971 in Deutschland lebt, erzählt in seinem neuesten Werk nicht nur eine bewegende Geschichte, sondern er berichtet – in Nebensätzen und persönlichen Schicksalen – vom Wandel Syriens in den vergangenen 50 Jahren von einem freiheitlichen Land, in dem Christen und Muslime Haustür an Haustür wohnen – vielleicht nicht frei von Konflikten, aber doch im Großen und Ganzen friedlich, hin zu einer Diktatur. Was wissen wir denn schon groß von dem Land, das unsere Nachrichten momentan beinahe beherrscht?
Schami erzählt in einem Buch die ineinander verwobenen Lebensgeschichten seiner vier Hauptcharaktere – zwei Männer und zwei Frauen – die vor allen Dingen eines auszeichnet: Eine Liebe, die Grenzen überwindet und Leben rettet.
„In den arabischen Ländern wird es keine Veränderung geben, solange nicht die Struktur der Sippe zerschlagen wird, die uns körperlich und geistig versklavt. Die Sippe baut auf Gehorsam und Loyalität auf und pfeift auf Demokratie, Freiheit oder die Würde der Menschen. Sie durchdringt und zersetzt alles wie ein Pilz.“ („Sophia“, R. Schami, S. 45)
