Am Sonntag war ich – wie erwartet – zu gar nichts zu gebrauchen. Das Mittagessen war eigentlich schon zu anstrengend. Ich versuchte, so wenig Sinnesreize wie überhaupt möglich zu generieren, schließlich musste ich ja immerhin noch selbst mit dem Auto bis in die Klinik fahren.
Ich war zwar wirklich gerne zu Hause, und das nicht nur wegen der Katze, aber wenn meine Schwester und meine Eltern da waren, wurde mir das momentan sehr schnell zu viel. Die Klinik – obwohl ich noch nicht einmal eine Woche dort verbracht hatte – wurde mein neuer Sehnsuchtsort. Dort fühlte ich mich wohl. Dort hatte ich Ruhe. So viel davon, mit dem Blick vom Balkon in die Weite, ohne auch nur ein einziges Haus vor dem Horizont zu sehen. Und wenn ich mein Handy ausschaltete, war ich für die Außenwelt unerreichbar. Und deshalb fuhr ich diesmal beinahe direkt nach dem Mittagessen los.
Die knapp einstündige Fahrt war lang. Sehr lang. Und auch sehr anstrengend. Aber ich kam gut an. Der Tag war für mich vorbei. Ich malte noch in meinem neuen Malbuch und las etwas.
Montagvormittag traf ich mich mit Johanna auf einen großen Spaziergang und verbrachte sonst den Tag sehr zurückgezogen. Im Laufe des Nachmittags trudelten drei Zettel in unserem Zimmer ein. Alle drei waren für mich: eine Einladung zur „Schematherapie Angst“, mittwochs und freitags um 9.20 Uhr, eine Einladung zur Burnout-Gruppe, dienstags und donnerstags um 13.00 Uhr und zur Kunsttherapie I, montags und mittwochs um 13.00 Uhr. Das waren die drei Gruppen, die ich in Absprache mit meiner Therapeutin besuchen würde. Offensichtlich war ich recht schnell in diese Gruppen hineingekommen. Meine Nachbarin, die ältere Dame, quittierte die Zettel nur mit einem schlecht gelaunten „ich bin schon seit zwei Wochen hier und ich habe nichts zu tun, und überhaupt ist man hier so allein gelassen“. Ich brummte nur zustimmend, um einer weiteren Jammertirade auszuweichen. Ich war mir gar nicht so sicher, ob ich überhaupt so froh über den vollen Zeitplan sein sollte. Die Burnout-Gruppe dauerte beinahe zwei Stunden am Stück. Ich konnte mich noch gar nicht so lange konzentrieren. Und dann hatte ich im Anschluss daran auch noch – zumindest in dieser Woche – einen fünfzigminütigen Termin bei meiner Therapeutin. Langweilig würde mir nicht werden. Wohl eher das Gegenteil. Ich trug die Termine in meinen Kalender ein. Sie überschnitten sich wenigstens nicht mit den Sportterminen und bisher auch nicht mit den beiden je fünfzigminütigen Therapiegesprächen, die ich pro Woche hatte. Einzig Montagvormittag und Freitagnachmittag hatte ich noch frei.
