
Diese Galerie enthält 8 Fotos.


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Wiesn! Und die Sonne schien heute! Ich war aufgeregt. Und freute mich wie ein kleines Kind. Wie damals, wenn unsere Eltern mit meiner Schwester und mir an einem Sonntagvormittag auf die Wiesn gegangen waren. Damals trug man kaum Tracht. Wir sowieso nicht, die hätte bei den wilden Fahrten mit der Wildwasserbahn, “Rund um den Tegernsee“ und später der Olympia-Achterbahn ja nur gestört.
Ich hatte mein Dirndl bereits am Wochenende mitgebracht. Ich hatte mich für das Schwarz-rote entschieden. Nicht für die farbenfrohen blauen, grünen und lilafarbenen Dirndl, die noch in meinem Schrank hingen Und zwar ohne auch nur kurz zu überlegen. So ganz konnten sämtliche Psychopharmaka meine Stimmung also doch nicht übertünchen. Ich war aufgeregt. Ich flocht meine Haare am Kopf entlang. Schminkte mich mit großer Sorgfalt. Überlegte hin und her, ob ich schon zum Mittagessen im Dirndl kommen sollte – ich hatte etwas Angst, dass mich meine Therapeutin so sehen würde, ich hatte ihr vorsichtshalber mal lieber nichts von diesem Ausflug erzählt (was sie nicht wusste, konnte sie mir schließlich nicht verbieten). Und entschied mich dann dafür. Sonst würde es hinterher knapp werden. Ich war mittlerweile so aufgeregt wie verdammt lange nicht mehr – zum einen, weil ich mich freute, zum anderen weil ich Angst hatte, dass die ganze Aktion doch nach hinten losgehen könnte. Es würde laut werden. Es würden sehr viele Leute sein. Ich musste mit dem Zug hinfahren. Aber ich hätte meine Schwester dabei. Und Johanna. Und ich musste einfach auf die Wiesn. Zumindest einmal drüberlaufen.
Schließlich war ich fertig, schluckte vorsichtshalber noch ein paar der homöopathischen, beruhigenden Kügelchen meiner Mutter, die ich für Notfälle immer noch bei mir hatte und ging zum Mittagessen. Ich war so nervös und aufgeregt, dass ich überhaupt nichts hinunter hinunter brachte. Ich zwang mich, zumindest eine halbe Portion zu essen. Ein paar nicht-bayrische Patienten waren ganz begeistert von Johannas und meinem Dirndl, aber ich hörte ihnen gar nicht zu. Ich war so aufgeregt, ich musste endlich auf den Weg kommen. Es war ein wenig wie Lampenfieber. Ich wusste, es würde sich legen, wenn ich erstmal im Auto sitzen würde. Allerspätestens, wenn wir endlich an der Theresienwiese wären.
Johanna fuhr uns zum nahen S-Bahnhof, dort stiegen wir in den Zug und ich wurde langsam ruhiger. Mein Magen beruhigte sich halbwegs und die hektische Fahrigkeit meiner Bewegungen nahm langsam ab. Wir waren auf dem Weg zur Wiesn! Im Dirndl! Ich hatte ein wenig Angst gehabt, dass das enge Mieder mir so sehr die Luft abschnüren würde, dass ich Panik bekäme. Aber das war überhaupt kein Problem. Am Hauptbahnhof trafen wir uns mit meiner Schwester, liefen in Richtung Theresienwiese, wo vor dem Haupteingang Johannas Freund, Tobias, wartete. Alle vier waren wir richtig fesch aufgemaschelt für unseren nachmittäglichen Wiesnspaziergang -die Sonne schien, noch war es ruhig, alles war perfekt. Ich sog die Luft ein, und konnte gar nicht genug sehen von dem prächtigen Brauereigespann, den großen Zelten, den bunten Fahrgeschäften, die über unseren Köpfen kreisten und schließlich die Bavaria am anderen Ende. Wir leisteten uns im Biergarten der Fischer Vroni einen Fisch und eine Maß Bier bzw. Spezi, ich konnte gar nicht glauben, dass ich wirklich da war. Dass ich es genießen konnte, hier zu sitzen, mit netten Leuten, in der Sonne, im Biergarten der Fischer Vroni auf dem Oktoberfest. Nach dem wir auch den letzten Bissen des sündteuren Fischs von den Gräten abgefieselt hatten und die Massen leer waren, gingen wir los. Ich wollte Johanna unbedingt die alte Münchener Rutsche zeigen und damit fahren. Bei den Wiesn-Ausflügen mit unseren Eltern früher war die Toboggan immer fester Bestandteil gewesen. Wir spazierten also einmal bis zum Ende der Zelt-Straße, und bogen dann vor dem Weinzelt nach links ab, bis ganz zum Ende. Wie immer standen davor viele Menschen, jedes Fahrgeschäft spielte eine andere Musik. Die Musik fand ich sehr anstrengend, aber mit der Menschenmenge hatte ich überhaupt kein Problem. Ich war einfach glücklich, dabei zu sein. Wir kauften also jeder ein Ticket, fuhren nacheinander mit dem rasanten Förderband auf die erste Plattform und stiegen dann die immer enger werdende Holzwendeltreppe nach oben. Dort oben liegt einem die Wiesn zu Füßen. Auf dem ältesten Fahrgeschäft, auf dem alten, bunt angemalten Holzturm stehend, steht man beinahe Aug‘ in Aug‘ mit der Bavaria und thront über allem. Sicher, es gibt höhere Fahrgeschäfte. Aber hier hat man den schönsten Ausblick. Ich sog alles in mich ein, als wäre ich nicht zum zwanzigsten, sondern zum allerersten Mal dort oben. Ich fühlte mich wie das kleine Mädchen, das ich war, als ich zum ersten Mal hier oben stand. Ich war in diesem Moment das kleine Mädchen. Ich erlebte diesen ganzen Wiesnbesuch so intensiv, so unmittelbar wie keinen zuvor. Es war ein eigenartiges Gefühl, ich wusste es nicht so recht zu deuten. Aber es war schön.
Der Anschieber riss mich aus meinem kurzen Tagtraum. Los, auf geht’s! Sonst kommt keiner mehr hoch! Er richtete mir den alten Teppich hin, half mir, mich richtig darauf zu platzieren und schob. Gar nicht beschaulich, sondern ziemlich rasant führt einen die alte Münchener Rutsch spiralförmig zurück auf den Boden der Tatsachen, in den Trubel. Es war so schön! Johanna genoss den Tag ebenso. Meine Schwester und Tobias, so war zumindest mein Eindruck, hatten ebenso Spaß an diesem entspannten Ausflug. Wir schlenderten weiter, ich kaufte gebrannte Mandeln, für die Rückfahrt, wir fuhren Kettenkarussell. Die Sonne stand nach wie vor hoch am strahlend blauen Himmel, es war Freitagnachmittag. Wie erwartet füllte sich die Festwiese mehr und mehr, bis es schließlich ziemlich voll war. Die ständig wechselnde Musik der Fahrgeschäfte war nicht mehr nur nervig, sondern nervtötend. Ich wollte gehen. Bis hierher war es schön gewesen, aber nun konnte ich nicht mehr. Johanna reichte es auch, also machten wir uns auf den Rückweg. Aber um zurück zur S-Bahn zu kommen, mussten wir noch einmal über die komplette Theresienwiese gehen. Mein Zustand verschlechterte sich rapide. Schließlich hakte ich mich bei meiner Schwester unter, hielt mich regelrecht an ihr fest. Sie bemerkte meinen festen Griff und legte den Arm um mich. Langsam stieg Angst in mir hoch. Ich war so froh, dass sie da war. Ich wusste, sie würde mich halten. Ich ging schneller, meine Schritte wurden zittriger, die Knie schwächer. Ich bemühte mich, im Hier zu bleiben. Nicht abzudriften. Kein Grund zur Panik, redete ich mir selbst zu. Wir sind auf dem Heimweg, ich bin nicht allein, es wird nichts passieren. Schließlich waren wir endlich raus. Es wurde ruhiger, wenn auch nicht gerade ruhig. Schließlich waren wir an der Hackerbrücke. Der S-Bahnhof war voll, aber im Vergleich zur Theresienwiese gerade zu entspannt. Es war eine Wohltat. Auch ich wurde wieder ruhiger. Wir verabschiedeten uns von meiner Schwester und Tobias, unsere S-Bahn fuhr ein, wir stiegen ein. Oh, war das schön, meinte Johanna. Ja, war es. Aber ich bin jetzt auch total k.o. Aber das war es wert, setzte ich nach.
Wir waren zum Abendessen wieder zurück. Nach exakt fünf Minuten war ich fertig. Ich schmierte mir zwei Brote, aß sie schweigend und verzog mich auf mein Zimmer. Es war mir gerade viel, viel, viel zu laut im Speisesaal. Auch für Volleyball war ich heute nicht zu haben. Ich saß im halbdunklen Zimmer, nur die kleine Leuchte an unserem Tisch war an, ich hatte immer noch die Ohropax im Ohr und malte in meinem Malbuch. In meinem Kopf drehte sich kein Tornado, keine Gedanken wühlten mich auf. Ich war glücklich und zufrieden, ich war auf der Wiesn gewesen und es war alles gut gegangen. Aber mein Kopf war übervoll. Eineinhalb Stunden auf der Wiesen boten mehr als genug Reize, um ihn für eine Woche an den Rand seines derzeitigen Fassungsvermögens zu bringen. Aber das war es definitiv wert gewesen!
Wie kann man schlecht drauf sein, wenn einem der hier gegenüber steht?
Wutminton. Dann ein Spaziergang, bei dem ich mich endlich so richtig auskotzen konnte. Und jemanden hatte, dem es genau wie mir ergangen war. Dann die Erkenntnis der vielen Modi. Wenn ich so richtig wütend war, heulte ich oft. Ich hatte immer gedacht, dass war eben so, weil ich so unglaublich wütend war. Vielleicht war ich das gar nicht. Vielleicht hatte ich nur von klein auf gelernt, dass es gefährlicher war, verletzt zu sein. Dass man wütend stärker wirkte.
Ein großes Ventil war aufgegangen. Ein weiteres Stück des großen Knotens entwirrt.
Same procedure wie üblich: Nach einem kurzen Frühstück trabten Johanna und ich los. Abwechselnd walkend und joggend setzten wir uns an die Spitze der langen Schlange Morgensportler, die sich aus der Klinik über die umliegende Feldwege ergoss. In gleichmäßigem Tempo brachten wir uns auf den aktuellen Stand, wie wir die Nacht so verbracht hatten – das konnte in der Tat ein langes Thema werden, dank Zimmernachbarn, Albträumen oder nicht wirkenden Tabletten – , teilten unsere Sorgen und Freude und besprachen den anstehenden Tag. Tina würde heute gehen, und Johanna damit zwei neue Zimmernachbarinnen erhalten. Zu spät waren wir auf den Gedanken kommen, dass eine von uns zur anderen ins Zimmer ziehen könnte. Die Verwaltung hatte gestern Vormittag dem Bestreben dann entsprechend ein Ende gesetzt. In meinem Zimmer war nach wie vor ein Bett frei. Mit meiner Zimmergenossin hatte ich zwar Kontakt, aber immerhin kamen wir uns weder tagsüber noch nachts gegenseitig in die Quere. Johannas Freund würde nun definitiv mit auf die Wiesn kommen. Das war seit der vergangenen Woche unser Topthema, natürlich auf meinem Mist gewachsen. Ich konnte nicht ohne Wiesn. Schweren Herzens hatte ich, Ende August erst, alles abgesagt. Noch in der Psychiatrie hatte ich eine Zeitlang gehofft, zumindest an einer Sonntag-Mittags-Wiesn dabei sein zu können. Irgendwann hatte ich mich schließlich geschlagen gegeben. Ein Wiesnzelt würde heuer (=in diesem Jahr) eine Tortur für mich sein. Und wenn ich das sonst noch so liebte. Aber ein Wiesnspaziergang bei schönem Wetter, einer Fahrt auf der alten Münchner Rutsche, der Toboggan, und ein Früchtespieß mussten, mussten, mussten einfach drin sein! Ich plante den Ausflug mit meiner Schwester nun schon seit drei Wochen, und auch Johanna und ihr Freund würden nun mitkommen. Am Freitag nach dem Mittagessen wollten wir los. Vorsichtshalber verschwieg ich diesen Ausflug vor meiner Therapeutin. Was sie nicht wusste, konnte sie nicht absagen. Dass das ein bisschen wahnsinnig war, wusste ich selbst genau genug. Aber ich musste einfach auf die Wiesn. Und wenn es nur eine halbe Stunde war.
Nach dem Joggen – Johanna und ich wurden immer fitter und liefen mittlerweile beinahe die ganze Strecke durch – saß ich um 9.20 Uhr wieder in der Angstgruppe. Tina hatte heute ein Thema, an ihrem letzten Tag, in ihrer letzten Therapiestunde. Nach der Begrüßungsrunde, ich war heute ruhig und entspannt, Tina ganz im Gegensatz zu ihrer sonst sehr coolen Art sehr aufgeregt und nervös, verteilte meine Therapeutin vier Stühle, offensichtlich nach einem System, im Raum. Da ich, mal wieder als Einzige, keinen blassen Schimmer hatte, was vor sich ging, erklärte sie, dass Tina nun eine bestimmte, in diesem Fall ihre aktuelle, Lebenssituation anhand einem Schematherapeutischen Modell (wir waren hier ja in der Schematherapie Angst) selbst analysieren solle. Sie stellte insgesamt fünf Stühle auf. Einer war der „Gesunde Erwachsene“, einer der „Kritiker“, einer die „Schutzmauer“, einer das „wütende Kind“ und der letzte schließlich das „verletzte Kind“. Die beiden letzteren Stühle standen nebeneinander hinter der Schutzmauer, der Kritiker seitlich neben der Schutzmauer und der gesunde Erwachsene über bzw. vor allem. Jeder dieser Stühle sollte also einen der Verhaltensmodi darstellen, in die man, wie dieses Schema eben besagte, je nach Situation, meistens unbewusst, rutschte. Der gesunde Erwachsene ist die Instanz, in der man im besten Fall immer sein sollte, der Idealzustand. Auf dessen Stärkung zielen die meisten Therapien ab. Er ist die Instanz, in der wir bewusst und vernunftgesteuert handeln, unsere Emotionen auf Angemessenheit oder auch Verhältnismäßigkeit prüfen und überlegt reagieren. Ich bin wahrlich keine Psychologie-Koryphäe, aber ich würde sagen, dass dieser gesunde Erwachsene dem Freudschen „Ich“ sehr nahe kommt. Die Schutzmauer war eben eine emotionale Schutzmauer, der Kritiker eben der Kritiker – das „Über-Ich“ oder die ganze Ansammlung an Glaubenssätzen und Grundsätzen, die wir im Laufe der Zeit angesammelt haben und die nun die Anforderungen darstellen, an denen wir uns automatisch und unterbewusst selbst messen. Die beiden Kinder sind im wahrsten Sinne des Wortes Kinder: Das wütende Kind reagiert wütend. Wie ein kleines Kind. Oder eben verletzt, wie ein kleines Kind. Mit Vernunft kommt man ihnen beiden nur schwer bei, wenn sie einmal losgelassen sind. Unserer individuellen Biografie und aktuellen Lebenssituation entsprechend sind die Modi, die ich eben aufgezählt habe, sehr unterschiedlich ausgeprägt. Tina stand nun also vor diesen Stühlen und sollte selbst entscheiden, welcher Modus in ihr gerade am stärksten ausgeprägt war. Es ging um eine unschöne Trennungssituation. Ich kannte die Geschichte, ich fand ganz eindeutig, dass er der Arsch war. Tina wählte – nicht eines der Kinder. Auch nicht die Schutzmauer, wie wir es wohl alle erwartet hatten. Sondern den Kritiker. Auf diesem Stuhl fühlte sie sich am sichersten, am wohlsten. Sie erklärte uns warum. Die Therapeutin forderte sie nun auf, sich auf den nächsten Stuhl zu setzten und damit in den nächsten Modus zu wechseln. Sie sollte den auswählen, der bei ihr am nächststärksten ausgeprägt war. Sie erklärte uns wieder warum. Und wie sich das anfühlte. Wie bereits meine allererste Stunde in der Angstgruppe war auch diese sehr intensiv. In erster Linie natürlich für Tina, aber auch für uns andere. Wir alle kannte ihre Situation, sie hatte uns die Geschichte vorher erzählt, so dass wir ihr entsprechend Feedback geben konnten. Und es war teils schmerzhaft zu erkennen, wie weit weg die sonst so taffe und sicher wirkende Tina sich vom gesunden Erwachsenen bewegte. Wie weit weg sie sich auch vom naheliegendsten aller Modi, dem wütenden Kind bewegte. Und zu sehen, wie extrem Tinas heutige Reaktion von Erfahrungen ihrer Grundschulzeit abhing. Die Muster, nach denen wir reagieren, nach denen wir automatisch bei bestimmten Situationen in bestimmte Modi rutschen, bilden sich in der Kindheit. Dort in der Regel als Schutzmechanismen, als Überlebensautomatismus. Diese Schutzmechanismen können aber über die Jahre hinweg eine geradezu gegenteilige Wirkung einnehmen. Sie hemmen uns oder bringen uns sogar schwerwiegende Probleme. Meistens erkennen wir sie nicht einmal, denn wir reagieren automatisch und unterbewusst, daher ist das für uns ganz einfach „normal“ und „richtig“. Diese Automatismen zu erkennen und einzuordnen ist einer der Hauptbestandteile der Therapie. Sehr anstrengend. Und oft sehr schmerzhaft. Die Schachtel Taschentücher war nach der Stunde leer. Tina hatte beinahe alle gebraucht.
Und dann bin ich wieder zurück. Plötzlich war es ganz logisch, dass ich mich doch nicht vor den Zug werfe. Zack. Der Federball schoss zu mir zurück.
Dienstagabend, eigentlich hatte ich gehofft, dass heute wieder ein paar Leute Volleyball spielen würden. Aber es war niemand da, es war Champions League Abend. Auf dem Gang vor der Turnhalle traf ich eine Mitpatientin, ich wusste nicht einmal mehr ihren Namen, ich kannte sie nur von einem Volleyballspiel. Ich hatte keine Lust, mit ihr zu spielen. Dachte, ich würde lieber dann mit Tina und Johanna ratschen, immerhin war es Tinas letzter Abend. Aber ich wollte nicht unhöflich sein und schließlich war die Frau schneller als ich, holte ihre Federballschläger und ich spielte also plötzlich mit.
Warum bist du eigentlich da? Burnout. Depression. Panikattacken, meine alte Leier. Auch Burnout, kam mit dem nächsten Schlag zurück. Sie war sehr, sehr dünn. Hatte irgendwann aufgehört zu essen. Weil es einfach keinen Sinn mehr machte. Es schmeckte ja nicht mehr. Die haben gedacht, die könnten alles mit mir machen. Bam, knallte ich ihr den Federball mit aller Kraft quer durch die ganze Halle zurück. Krieg an allen Fronten. Bam, schleuderte ich ihr den Ball entgegen. Mein Hund ist gestorben, da ging‘s mit dem Frauli bergab. Bam, knallte sie den Ball zurück zu mir. Ich habe nicht mehr gewusst, wo anfangen, wo aufhören. Ich bin völlig durchgedreht, hatte Angst, ich werde verrückt. Bam. Alle Wut, alle Angst schoss durch die Turnhalle. Ich stand am Bahngleis. Dann bin ich wieder umgedreht. Weil es auf einmal wieder logisch war. Zasch, schoss der Ball durch die Halle.
Ich kannte die Frau nicht. Vorher einmal gesehen. Sie war am Bahngleis gestanden. Und hatte wieder umgedreht, weil es plötzlich logischer war. Logischer, als sich umzubringen. Im letzten Moment war es wieder logischer gewesen. Meine Angst vor mir selbst war mehr als begründet gewesen. Auch Johanna hatte mir von einer Bekannten mit Depression erzählt. Sie war spazieren gewesen. Und dann einfach in eine Schlucht gesprungen. Einfach so. Weil es sie plötzlich dorthin zog. Nicht, weil es von langer Hand geplant war. Weil es einfach plötzlich so viel Sinn machte.
Wutminton. Wir beide standen da, schlugen uns den Federball mit aller Kraft, mit aller Wut, Angst, Zorn, Verwirrtheit und Hoffnungslosigkeit um die Ohren. Mit jedem Schlag kotzten wir uns aus. Ohne Zusammenhang.
Wir waren beide nur noch ein Schatten unserer selbst. Und warum? Stress. Einfach nur Stress, Überforderung und niemand, der auf uns geschaut hätte. Nicht einmal wir selbst. Und dann stehst du plötzlich am Bahngleis.
Gottseidank gibt es bei mir zu Hause keines.
Auch wenn das Wetter scheiße ist. Gerade dann.
Ich fühlte mich unwohl. Irgendwie eingeengt. Gestern hatten wir die Slackline aufgebaut. Diesmal vor dem Klinikeingang, zwischen der Raucherecke und der Schaukel. Da war der Boden eben. Und außerdem dachte ich, dass vielleicht noch ein paar andere Bock hätten, es auszuprobieren. Hatten sie. Aus welchem Grund auch immer, ich weiß es nach wie vor nicht, wurde mir das diesmal rasch zu viel. Ich fühlte mich ein wenig gegen meinen Willen eingespannt und das zu einem Zeitpunkt, an dem ich mich lieber zurückgezogen hätte. Ich hatte es dann zwar schließlich, zu spät eigentlich, geschafft, mich abzuseilen, aber das maue Gefühl, dass man mich mal wieder dazu gebracht hatte, etwas zu tun, was ich eigentlich nicht tun wollte, und die Tatsache, dass mich das bisschen Slacklinen und Übungsleiterspielen so sehr überfordert hatten, behagten mir nicht. Ganz und gar nicht. Die Wassergymnastik war wie immer, das Wasser zu kalt, die Gymnastik ein wenig anstrengend, aber ich war einfach gern im Wasser. Danach war es wie immer stressig, innerhalb von einer Stunde raus aus dem Becken, über den Umweg Mittagessen um eins bereits fertig und aufnahmebereit in der Burnout-Gruppe zu sitzen. Und mittlerweile war die Teilnehmer-Anzahl in der Burnout-Gruppe ziemlich geschrumpft. Die waren zwar immer noch alle nett. Keiner tat mir da etwas zu leide. Aber es war eben auch keiner dabei, mit dem ich mit halbwegs identifizieren konnte. Ich war mit deutlichem Abstand die Jüngste. Punkt eins. Ich arbeitete in einer völlig anderen Welt wie sie. Punkt zwei. Ich war, was meine Energieressourcen betraf, physisch und psychisch in einem deutlich schlechteren Zustand als sie. Punkt drei. Und war aber, was die Analyse der Ursachen betrag, vielleicht auch aufgrund des Aufenthalts in der Psychiatrie zuvor, viel weiter als der Rest der Gruppe. Punkt vier. Ich fühlte mich unwohl. Mein Kopf rumorte. Ich brauchte eine Pause von allem hier. Dringend. Abstand. Ich wollte einen Chai-Latte. Und mich zumindest für zwei Stunden mal wieder „normal“ fühlen. Nicht in irgendeiner Klinik sein und mir den ganzen Tag anhören müssen, wie schlecht es anderen Leuten gerade ging, oder analysieren müssen, wie schlecht es mir gerade ging. Ich wollte eine Pause. Und einen Chai-Latte. Das einzige, was die hauseigene Cafeteria nicht im Angebot hatte.
Ich packte meine Tasche und fuhr in die Stadt. Ich fragte nicht einmal Johanna. Sie hatte sowieso gerade noch Therapie und mein Kopf wollte wirklich, wirklich, wirklich gerade überhaupt keinen Input von außen haben und nichts von Therapien, Burnout oder Kliniken hören. Ich schlenderte durch das Städtchen. Ließ die Kleidergeschäfte gleich links liegen, heute hatte ich kein Energie für ein Expositionstraining. Ich ging in den schönen Buchladen und stöberte dort umher. Las ein paar Bücher an. Besorgte mir endlich einen Ordner für die Zettelwirtschaft. Einen blauen, auch wenn er daheim dann farblich nicht ins Regal passen würde. Das war mir gerade egal. Kaufte eine kleine Leinwand. Ich wollte demnächst gerne mal den Freizeitbereich der Kunsttherapie nutzen, wenn man in der Kunsttherapie selbst nur dumme Gärten malen durfte. Kaufte zwei Zeitschriften, die burda easy und die flow, die kannte ich beide noch gar nicht und waren meilenweit von meinem alten Arbeits-Zeitschriftenspektrum entfernt. Und fand schließlich ein kleines Café, setzte mich dort allein an einen kleinen Tisch, bestellte einen Chai-Latte und genoss es, in der richtigen Welt zu sein. Allein. Einfach mal zumindest so tun zu können, als wäre alles so wie immer. Es war ruhig in dem Café und ich wurde langsam entspannter. Ich atmete die Normalität ein und blätterte in den beiden neuen Zeitschriften. Eine Näh-Zeitschrift. Ich könnte ja, wenn ich jemals irgendwann wieder aus diesen Kliniken raus wäre, mal wieder etwas nähen. Und die flow. Eine dieser Glücks- und Achtsamkeitszeitschriften, die unter den Klinikpatienten der Renner waren. Mit sowas esoterischem hätte ich mich früher nie beschäftigt. Für so etwas hätte ich gar keine Zeit gehabt. Auch diesmal hatte ich sie nur gekauft, weil auf dem Titel ein Gespräch mit dem „Erfinder“ der Achtsamkeit, Jon Kabat-Zinn angepriesen wurde. Das interessierte mich. Und außerdem war die flow einfach schön.
Schließlich war der Chai leer. Ich hatte alle Schnittmodelle mehrfach begutachtet und mich für mein erstes Projekt entschieden. Ich zahlte, seufzte, stand auf und ging, in Richtung Auto. Ich kam an der Kirche vorbei. Eine dieser riesigen Stadtpfarrkirchen. Ich besuche gerne Kirchen. Ich mag die Ruhe, die sie ausstrahlen. Sie sind ein Zufluchtsort – weit, weit weg und raus aus dem Alltag.
Ich ging also in die Kirche hinein. Auf der Suche nach Ruhe. Ich wollte beten, allein sein. Bei mir sein. Eine Ruhe, wie ich sie nur in Kirchen finde. Ich war beinahe enttäuscht, als ich feststellte, dass ich nicht alleine hier war. Dass weiter vorne eine Gruppe älterer Damen saß und Rosenkranz betete. Ich wollte beinahe schon gehen, dann entschied ich mich anders. Setzte mich in eine Bank, mit Abstand zu den Damen, aber doch in guter Hörweite und ließ mich, statt selbst zu beten, von dem angenehmen Wechselrhythmus des Rosenkranzes wiegen. Es war ein bisschen schade, dass keine Männer da waren, und der Wechsel daher nur zwischen den Damengruppen stattfand. Schließlich begann ich beinahe automatisch mitzubeten. Die Worte kenne ich in und auswendig. Vater Unser, der du bist im Himmel. Gegrüßet seist du, Maria. Ich wiegte im Rhythmus mit. Ich wurde ruhiger, und ruhiger, und ruhiger. Ich versank richtig im meditativen Wechselrhythmus. Ich betete etwa zwanzig Minuten leise mit. Bis ich mich entschloss, zu gehen. Ich war getragen von dieser Ruhe, von diesem gleichmütigen Singsang. Mein Kopf war ruhig, mein Geist, die restliche Anspannung, die selbst nach dem Chai-Latte noch da gewesen war, war dahin. Ich war so ruhig wie seit Tagen nicht mehr.
Ich versuchte, diesen Zustand festzuhalten, und es gelang mir erstaunlich gut. Ich genoss das Abendessen mit den Frauen am Tisch, das Nashornbaby im Tierpark Hellabrunn war mal wieder Thema und verrückte Reisegeschichten der alten Dame. Außerdem die Wiesn, die seit Samstag lief. Und Johanna und ich trugen uns für den nächsten Tag in die Infrarot-Kabine ein.
Sonntagmorgen gab es sogar Croissants und süßes Gebäck zum Frühstück! Ich war wirklich im Himmel hier – was das Essen betrifft zumindest. Außer mir war nur die alte Dame am Tisch, sie war gestern mit der „Isarcard“ durch München getingelt und erzählte mir von ihren Erlebnissen. Es war eigentlich ganz unterhaltsam, was sie so erzählte, ich erzählte ein bisschen von einem Ausflug gestern. Schließlich fragte sie mich über halb München aus – ich war eine der wenigen Münchnerinnen hier in der Klinik und so wurde ich manchmal regelrecht zum Reiseführer. Was muss man gesehen haben? Wie kommt man da hin? Was kostet das? Lohnt sich das? Insbesondere die alte Dame, die keinen Internetzugang hatte, machte mich manchmal beinahe wahnsinnig. So hatte ich ihr extra die Eintrittspreise der Erdinger Therme rausgesucht, nur um mir dann eine Viertelstunde lang anhören zu müssen, wie unverschämt teuer die wären. Da diskutierte ich lieber mit ihr über das Baby-Nashorn, das sie im Tierpark Hellabrunn zu besuchen gedachte.
Nach dem Frühstück setzten Tina und ich uns ins Atrium. Ich las, sie surfte im Internet, bis es Zeit für das Mittagessen war. Meine Eltern kamen gegen zwei Uhr vorbei. Nachdem ich ihnen die Klinik gezeigt hatte und sie alles für schön und viel angenehmer als in der Psychiatrie befunden hatten, fuhren wir in das Städtchen. Wie beim ersten Mal war es wunderschön, ein sehr sonniger Tag, und nachdem wir ein wenig herumspaziert waren, gab es noch ein großes Stück Kuchen in einem kleinen Café am Fluss. Es war wirklich schön, dass sie extra hergekommen waren, um mich zu besuchen, als sie abends dann wieder fuhren, war ich allerdings auch wieder sehr froh um meine Ruhe. Ich malte noch ein wenig in meinem Malbuch, die beste Beschäftigung, um meinen Kopf wieder zur Ruhe zu bringen und etwas zu sortieren, damit war der Tag auch beendet.
Montag war unspektakulär, die Kunsttherapie begann recht schnell, mir auf die Nerven zu gehen. Heute sollte ich meinen „Seelengarten“ malen. Zum einen fand ich das Thema dämlich, ich wollte mich lieber einfach mit den Farben austoben, zum anderen waren in der Gruppe hauptsächlich ältere Damen, die nur bemüht waren, mit feinen Kreiden und Stiften schön zu malen. Ich hatte im Skikurs in der ersten Klasse schon diejenigen nicht leiden können, die immer schön, aber eben auch schön langsam gefahren waren, anstatt mal etwas schneller und dafür eventuell einen Sturz in Kauf zu nehmen. Ich fühlte mich in dieser Gruppe völlig fehl am Platz. Ich kleckste mit einem großen Pinsel und plakativen Acrylfarben auf meinem großen Blatt umher, während der Rest der Gruppe fein säuberlich mit verwischbaren Kreiden kleinste Details ausarbeitete. Am Abend bekam ich Besuch von zu Hause 🙂 und gönnte mir gutes Schnitzel in einem putzigen, kleinen Biergarten im Nachbardorf. Die Gegend hier war wirklich wunderschön. Alles in allem hatte ich mich wahnsinnig schnell eingelebt. Ich war mit meinen Therapien ziemlich beschäftigt, meine Freizeit verbrachte ich hauptsächlich mit Johanna und Tina, aber die beiden reichten mir völlig, es wäre mir nach wie vor viel zu anstrengend gewesen, weitere Bekanntschaften zu vertiefen oder mich gar abends in der Cafeteria zu einer Gruppe zu gesellen. Außerdem war ich meistens froh um die Ruhe auf meinem Zimmer. Teils saß ich sogar mit Ohropax auf meinem Balkon, weil es von der Cafeteria-Terrasse zu laut nach oben schallte. Davon abgesehen ging es mir sehr gut. Die Depression war wie verflogen. Hin und wieder kam die Angst. Nervig zwar, aber nicht mehr der Rede wert. Ich hatte das alles ganz gut im Griff, fand ich.
Am Freitagabend war ich quasi direkt nach dem Abendessen total erledigt ins Bett gefallen. Nun war Samstagmorgen, ich freute mich auf den Ausflug in die Berge – ich sah sie zwar auch von unserem Balkon aus, aber das war nicht das Gleiche – und fühlte mich wieder den Umständen entsprechend fit, für die Herausforderung gewappnet.
Ich war auch beinahe pünktlich bei Hanni angekommen. Wir waren zu dritt im Auto, das war gut. Ich saß hinten und konnte ein bisschen entspannen, was nach der beinahe einstündigen Autofahrt auch bereits sehr dringend notwendig war. Dummerweise hatte ich meine Ohropax vergessen. Am Berg selbst hielt ich mich ziemlich zurück. Ich kannte nicht alle, die dabei waren, ich war nicht scharf darauf, zu reden, ich wollte einfach in den Bergen sein und wandern. Das Geburtstagskind blieb die meiste Zeit in meiner Nähe, dafür war ich ziemlich dankbar. Der erste Teil des Weges war ein Forstweg, nach einiger Zeit aber verwandelte er sich in einen schmalen Pfad. Das war anstrengend für mich, und ich fiel ans Ende der Gruppe zurück. Hanni und eine andere Freundin passten sich meinem Tempo an. Schließlich gab es eine Pause, die Wandergruppe musste schließlich fotografisch festgehalten werden, was mir die Gelegenheit gab, durch zu schnaufen. Man konnte den Gipfel bereits sehen, es lag vielleicht noch eine Stunde Weg vor uns. Bis zur Hütte war es nur noch eine halbe Stunde. Aber ich wollte ganz hoch, und bisher war ich zwar körperlich etwas angestrengt, aber meine Konzentration war noch gut, und der Weg wurde wieder breiter und ebener. Wir wanderten also gemütlich über einen breiten Weg auf das Plateau, auf dem sich die Hütte befand, ratschten, es war angenehm. Nach einer kurzen Pause nahmen wir dann das letzte Stück in Angriff. Der Pfad wurde immer schmaler, bis sich nur mehr ein Steig durch die Felsen wand. Ich fiel immer weiter zurück. Es wurde steiler und anstrengender, aber vor allem wurde der Weg immer unebener und ich musste immer besser aufpassen, wo und wie ich meine Schritte setzte. Ich brauchte immer wieder kurze Pausen. Schließlich waren wir an den Kraxelstellen, die teils auch etwas ausgesetzt waren, angekommen. Eine wunderschön Route, genau wie ich es eigentlich mag – nicht nur langweiliges Wandern, sondern ein bisschen Action. Ein paar Bergfexe aus der Gruppe waren regelrecht wie Gemsen über die Felsen gehüpft und schon lange oben. Ich brauchte länger. Ich musste vor jedem Schritt, den ich setzte, zweimal den Untergrund checken, ob er stabil genug war, oder ein Stein nicht doch wackelte. Sonst sah ich das auf den ersten Blick. Mit jedem Schritt nahm meine Konzentration rapide ab. Hanni und Sophie waren immer noch bei mir, eine ging vor mir, eine hinterher. Sie schafften es, das ganz zufällig aussehen zu lassen und ich war gottfroh drum, dass sie bei mir blieben. Normalerweise, das wusste ich aus Erfahrung, wären die beiden schon lange oben gewesen. Nach einer gefühlten Ewigkeit waren auch wir, die Nachhut, oben angekommen. Ich war völlig k.o., meine Beine zitterten, mein Kopf brauchte eine Pause. Aber ich war glücklich. Ich war oben, ich hatte es geschafft und es die Kraxelei hatte mir trotz allem Spaß gemacht.
Die anderen hatten bereits den ganzen Gipfel beschlagnahmt, wir machten eine lange Pause mit Brotzeit und Gipfelgeburtstagskuchen, bevor wir den Rückweg antraten. Es ging über die gleiche Strecke zurück, und ich war heilfroh, dass die gefährlichen Stellen gleich am Anfang zu überwinden waren. Die Pause oben hatte nicht ausgereicht, um meine Konzentration wieder halbwegs herzustellen. Ich brauchte ewig bis zu der Hütte – mit Sicherheit doppelt so lange wie angegeben, und brauchte dort auch ziemlich lange, bis ich zumindest wieder soweit war, den Gesprächen der anderen zuzuhören. Nach etwa zwei Stunden brachen die anderen auf zum Abstieg und ich marschierte ein kurzes Stück auf einem breiten Forstweg zur Gondel und fuhr ab. Unten angekommen war ich froh, erstmal alleine zu sein und Ruhe zu haben. Ich saß beinahe zwei Stunden einfach auf einer Bank in der Sonne und beobachtete die Umgebung um mich herum, und tat nichts, bis Hanni endlich mit dem Auto kam, um mich aufzusammeln. In München aßen wir noch gemeinsam zu Abend, für das Klinikabendessen wäre ich bereits zu spät, und dann machte ich mich auf den Heimweg. Nach etwa einer Viertelstunde Fahrt bekam ich leichte Angstzustände. Stechen in der Brust. Mein Atem verkrampfte. Ich hatte diese Symptome mittlerweile wirklich satt, ich war nur noch genervt davon. Ich fuhr einfach nur Auto, nicht einmal schnell, es kaum Verkehr, es gab mal wieder überhaupt keinen Grund dafür. Jetzt erst recht, dachte ich mir, und begann aus Protest lauthals im Radio mitzusingen. Und siehe da: Solange ich sang, waren die Angstsymptome verschwunden. In dem Buch, das ich gerade las, „Anti-Stress-Yoga“ von Anna Trökes, hatte die Autorin erklärt, dass man mit Singen – da ging es allerdings eher um die yogischen Mantras – sein Unterbewusstsein austricksen könne. Wenn jemand singt, kann keine Gefahr bestehen. Also kann er auch keine Angst haben. Funktioniert bei mir wunderbar! Ich habe meine Angst einfach ausgetrickst. 2:0 für mich!