Weisheiten eines Weisen

Das SZ-Magazin veröffentlichte im Heft 20/17 ein posthumes, aus alten Interviews zusammengebasteltes Gespräch mit Joachim Kaiser. Er gehörte zu den bedeutendsten Musik- und Literaturkritikern des 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Ich bin nicht so sehr in den Feuilletons dieser Welt unterwegs, als dass ich mit Sicherheit sagen könnte, jemals zuvor einen seiner Texte gelesen zu haben. Aber dieses posthume Gespräch war spannend. Zwei der Weisheiten dieses klugen Mannes musste ich mir eben notieren:

Viele junge Leute wagen sich ohne Kopfhörer kaum mehr ins Freie. Mit nach innen gestülptem Blick stapfen sie beziehungslos durch die Natur. Allgegenwärtiger Lärm hat ihnen Angst vor der Stille beigebracht. 

[…]

Alles Misslingen hat seine Gründe – und alles Gelingen sein Geheimnis.

Kirchweih

Samstagmorgen fuhr ich, wie immer, wieder nach Hause. Ich hatte ein entspanntes, schönes Wochenende vor mir: Am Samstag hatte ich nichts ausgemacht, ich wollte einfach zu Hause entspannen, erntete ein paar Äpfel und buk daraus einen guten Kuchen, wusch Wäsche und genoss das schöne Wetter und hörte meiner Katze beim Schnurren zu.

Für Sonntag, es war der Kirchweihsonntag, hatte ich mich zum Frühstück mit einer guten Freundin verabredet, war dann mit meinen Eltern essen. Auch wenn das Essen gut war, hallte es in dem kleinen Nebenraum sehr. Es war sehr laut, ich spürte förmlich, wie meine Energie begann, sich zu verabschieden. Nach dem Essen wollten meine Eltern gerne auf „einen Sprung“ bei meiner Tante vorbeischauen. Dort im Dorf war Kirchweihmarkt, bei der Tante gab es Kaffee und sehr viel sehr guten Kuchen und natürlich Kirchweihnudeln und ein Teil meiner Verwandtschaft würde dort sein. Nichts Besonderes, einfach ein angenehmes und lockeres Kommen und Gehen. Ich ging mit – schließlich hatte ich sie alle schon lange nicht mehr gesehen. Auch meine Cousine mit den beiden kleinen Kindern, wo ich im Juli öfter zu Besuch war, würde da sein. Aber es wurde mir sehr schnell zu viel. Ich ging nicht einmal mehr mit hoch auf den Markt. Aß ein Stück Kuchen. Eine Kirchweihnudel, aus der ich die Rosinen herauskrümelte. Unterhielt mich mit meiner Tante und meiner Cousine. Malte ein wenig mit meiner kleinen Großcousine, die mir daraufhin ein kleines Bild von einem Einhorn schenkte. Aber dann war Ende Gelände. Ich musste weg. Ich ertrug den „Lärm“ nicht mehr, ich hatte keine Kraft und Lust mehr, mich mit irgendjemandem zu unterhalten, selbst die Energie, dem Gespräch, das auf der Kaffeetafel hin- und herflog, nur zu folgen, fehlte mir. Ich fuhr nach Hause. Da war niemand, außer der Katze, da war es still. Meine Schwester war ja in Berlin.