Gut ist kein Gefühl!

Heute war Wiesn-Tag! Aber davor war noch Laufen und die Angstgruppe.

Freitags hatten wir immer eine kurze Angstgruppe, nur eine gute Stunde. Heute war auch nur eine Therapeutin da, die andere war krank. (Jaja, die Wiesn!) Für große Themen oder Aufstellungen war die Stunde meistens zu kurz, insbesondere, wenn wir, wie heute, jemand Neues dazubekamen und deshalb eine lange Vorstellungsrunde hatten und die Gruppenregeln erklärt wurden, oder jemand aus der Gruppe verabschiedet wurde.

Pünktlich zum Schulanfang stieß eine Lehrerin zu uns. Wir stellten uns also ausführlich vor. Niemand hatte ein Thema vorzubringen, den meisten ging es „gut“ – was die Therapeutin zu einem Thema veranlassteDenn: gut und schlecht sind keine Gefühle! Also durften wir alle nochmal ran. Puh, gar nicht so einfach! Wie spezifiziert man „gut“ denn? Aus einem grauen Leitz-Ordner fischte sie Arbeitsblätter heraus, die sie an uns verteilte. Darauf war ein großer Kreisel zu sehen, auf den von Freude über Trauer, Angst und Wut das komplette Spektrum der Gefühle aufgelistet war. Wir sollten uns den Kreisel ein wenig ansehen, dann durften wir nochmal. Jeder sollte also nun genau in sich hineinhorchen. Welche Gefühle trafen gerade auf uns zu?

Ich war definitiv gerade im Bereich Freude angesiedelt. Also erstmal Freude. Aber dazu eher Heiterkeit? Oder Übermut? Oder Glück, Begeisterung, Zufriedenheit, Stolz, Lust, Selbstvertrauen, Freundlichkeit, Engagiertheit, Verliebtheit, Leidenschaft, Gelassenheit, Dankbarkeit, Vertrauen, Zuneigung, Rührung, Erleichterung, Zärtlichkeit, Nähe oder doch Vertrautheit?

„Mir es geht gut“ war doch viel zu einfach für diese Gruppe, gut und schlecht wurden mit diesem Vortrag in diesem Gruppenraum zu verbotenen Worten. Wir sollten schließlich auch lernen, unsere Gefühle genauer auszudifferenzieren.