Die nächsten Tage genoss ich so richtig: Die Krankschreibung hatte mir eine Riesenlast von den Schultern genommen. Die nächsten vier Wochen musste ich nicht arbeiten, mein Blackberry war ausgeschalten und auch mein privates Handy lag in der Ecke. Ich wollte für nichts und niemanden erreichbar sein. Ich wollte einfach nur allein sein und zum ersten Mal seit langer Zeit den ganzen Tag einfach nur das tun, worauf ich gerade Lust hatte.
Ich ging schwimmen, las mehrere Bücher, lag auch manchmal einfach nur im Englischen Garten und schaute, wie die Zweige der Bäume im Wind wogten oder unternahm lange Spaziergänge an der Isar. Ich ging zum ersten Mal in meinem Leben allein abends essen, ich radelte durch Schwabing und sog alles in mich auf. Es war herrlich. Ich fühlte mich so frei wie schon lange nicht mehr. Und ich schlief so viel wie schon lange nicht mehr. Ich ging um zehn ins Bett, wachte erst am späten Vormittag auf und machte in der Regel nachmittags noch ein mehrstündiges Schläfchen.
Am Samstag war ich mit ein paar Freunden zum Baden verabredet. Obwohl ich es eigentlich genoss, in der Sonne am See zu liegen und zu quatschen, merkte ich, wie mich das Gespräch in der Runde langsam anstrengte. Ich war abends dann sehr froh, wieder zu Hause sein.
Am nächsten Tag – wegen der Hitze in meiner Münchner Dachgeschosswohnung war ich bei meinen Eltern – war ich richtig übellaunig. Es war zu heiß. Ich konnte mich zu nichts aufraffen. Ich lag beinahe den ganzen Tag im Keller auf einer Matratze – der einzige Ort, der mir kühl genug war – und schnauzte alles und jeden an, der es wagte, mit mir zu sprechen. Selbst die Katze. Einfach so. Es war nicht das Geringste passiert. Aber ich konnte nicht anders.
Abends traf ich mich mit einer guten Freundin. Plötzlich war die Welt wieder in Ordnung. Danach fuhr ich sogar noch ins Freibad und ging ein paar Runden schwimmen, bevor ich dann in der Hängematte auf dem Balkon meiner Eltern bei einem guten Glas Luganer den Sonnenuntergang genoss.
