Dirndl-Shopping

Nach dem ich mich wieder beruhigt hatte – war ja eigentlich auch völlig egal, was da jemand meinte zu wissen, den ich nicht einmal kannte – beschlossen meine Schwester und ich, wohin unser nachmittäglicher Ausflug hingehen sollte. Es regnete draußen, was die Auswahl stark einschränkte, und so entschieden wir uns, Dirndl kaufen zu gehen. Meine Schwester wollte sich für die kommende Wiesn neu ausstaffieren und in der Nähe der Klinik war ein großes Trachtengeschäft.

Ich war seit der Panikattacke im Juli nicht mehr in einem Laden gewesen. In keiner Art von Geschäft. Ich war noch nicht einmal Lebensmittel kaufen gewesen. Aber ich liebe Dirndl. Notfalls, sagte meine Schwester zu mir, fahren wir eben wieder zurück. Wir verließen also meine Station, ich gab brav meine Patientenkarte am Empfang ab, die Tür wurde geöffnet und wir verließen die Klinik. Genaugenommen war mir ganz egal, wo wir nun hinfahren würden. Hauptsache, ich sähe mal wieder andere vier Wände und andere Menschen. Auf dem Weg zum Trachtengeschäft stoppten wir noch kurz an einer Bäckerei. Das Mittagessen war mal wieder mehr als bescheiden gewesen, ich hatte tierischen Hunger. Schließlich kamen wir dort an. Erwartungsgemäß – Ende August – war viel los. Paare, Freundinnen, Mamas mit ihren Töchtern, alle auf der Suche nach einem neuen Wiesn-Outfit. Aber die viele Menschen verteilten sich in dem Laden recht gut. So viele Dirndl! Und sogar einige wirklich schöne! Wenige zwar, aber die waren toll. Und bezahlbar. Meine Schwester und ich stöberten gemeinsam auf der Suche nach einem möglichst moosgrünem Dirndl mit Leinenmieder. Das gab es natürlich nicht, aber ein paar andere sehr schöne, die meine Schwester anprobierte.

Zwischendurch fragte sie mich, ob auch alles okay wäre mit mir, aber mir ging es gut. Sicher, ich war nicht so fit wie normalerweise, das spürte ich. Aber ich hatte keine Angst, keine Panik, es war kein Herzstechen und keine Enge in der Brust zu spüren, meine Atmung ging nicht schneller. Nur für einen kurzen Moment begann ich panisch zu werden: Als ich plötzlich allein war und meine Schwester nicht sofort hinter der nächsten Kleiderstange wiederfand. Ich entdeckte sie keine Minute später in der Umkleidekabine. Aber das war während der doch knapp zwei Stunden, die wir dort verbrachten, der einzige Moment, in dem so etwas wie Angst oder Panik in mir hochkam. Das war gut!

Gekauft hat sie schlussendlich nichts, das perfekte Dirndl war einfach nicht dabei. Anschließend waren wir noch am Starnberger See. Ich hatte immer noch Hunger und wollte unbedingt ein vernünftiges Abendessen. Hmm. Lecker war es. Dann ging es wieder zurück in die Klinik, wo ich den restlichen Abend versuchte, meine neue Zimmergenossin so gut als möglich zu ignorieren. War nicht ganz einfach.