Ab da hatte ich eine riesengroße Angst vor mir selbst.
Was würde das nächste Mal passieren? Was, wenn es noch schlimmer werden würde?
Ich zog vorübergehend wieder bei meinen Eltern ein, war nur noch in München, wenn es notwendig war und ich wusste, ich würde unter Leuten sein. Ich hatte eine unbeschreibliche Angst davor, allein zu sein, eine Angst, die mich langsam von innen her auffraß. Ich konnte und wollte mir nicht ausmalen, zu was mein durchdrehender Kopf noch fähig war.
Mit dieser Angst musste ich ein weiteres, großes Stück meiner Unabhängigkeit aufgeben. Ich merkte, wie auch meine Eltern gesteigerten Wert darauf legten, zu wissen, wo ich war und was ich machte. Wenn meine Mutter aus der Arbeit nach Hause kam, oder mein Vater von einem Termin, und ich war nicht offensichtlich im Wohnzimmer oder hatte eine Nachricht in der Küche hinterlassen, suchten sie das ganze Haus nach mir ab. Als wäre ich wieder ein Kleinkind, unfähig, auf sich selbst aufzupassen.
Aber ich kapierte unbewusst endlich, viel zu spät schon, dass ich mit einem eisernen Willen nichts, und zwar absolut gar nichts, gegen diese Krankheit ausrichten konnte. Bis zu diesem Wochenende war ich insgeheim der Meinung gewesen, dass ich mit Sicherheit ein, zwei Monate schneller wieder fit werden würde, als die Ärzte dachten. Ich war schließlich nicht irgendwer. Ich war ich.
