Mit dem Wunschzettel bin ich etwas spät dran, ich weiß. Bin ich mal wieder schuld, wenn das Christkind einen Mords-Stress hat. Dass das bei den ganzen ausgefallenen und immer größer werdenden Wünschen noch keinen Burnout hat, ist eigentlich auch ein Wunder… 🙂
Mir geht es mittlerweile wieder so gut, dass ich mich wieder freuen kann. Was aber schenkt man jemanden, dem sowieso alles egal ist? Eine Freundin hatte mich bereits im August gefragt: „Was kann man dir und anderen Leuten, denen es so geht wie dir, eigentlich Gutes tun?“ Jetzt endlich, Iris, versuche ich mich mal an der Antwort deiner Frage:
Ich sage ganz bewusst „versuche“, weil das natürlich immer a) mit dem Mensch, dem man etwas gutes tun möchte zusammenhängt und b) auch eine Depression unterschiedliche Auslöser haben kann. Es soll schon Schäfer gegeben haben, die an Burnout erkrankt sind – die haben wohl wenig Freude an Schafen. Ich schon!
Das wichtigste: Habt keine Erwartungen. Erwartet nicht, dass jemand ans Telefon geht. Dass er sich an einen Geburtstag erinnert. Oder dass er sogar noch ein Geschenk hat. Dass er auf SMS antwortet. Dass er sich für etwas begeistern lässt. Oder dass er sich aufrichtig über ein Geschenk freut. Es ist – in der Regel – nicht böse gemeint. Es geht einfach gerade nicht.
Seid für denjenigen da. Bietet euch an; schaut vielleicht auch einfach mal spontan vorbei – wenn der Besuch gerade wirklich nicht ankommt, dann kann man ja auch wieder gehen. Nur beleidigt sollte man dann nicht sein! Depressive ziehen sich in der Regel sozial zurück. Dabei ist es viel besser, wenn soziale Kontakt gepflegt werden. Wenn also die Party Freitagabend vielleicht zuviel ist, dann schaut doch einfach einen Film zusammen. Geht zusammen spazieren. Kocht zusammen, geht zur Maniküre, geht zum Sport (vielleicht solltet ihr nicht gleich den Halbmarathon zusammen laufen, aber so ein bisschen geht immer!) … was auch immer euch einfällt. Und wenn ihr dann was gemeinsam macht: Stört euch nicht daran, wenn derjenige irgendwie anders ist als sonst. Ihr müsst ihn nicht aufmuntern oder trösten – das geht meistens gar nicht – seid einfach da und verbringt Zeit miteinander.
Was mir und den allermeisten anderen auch sehr gut getan hat: Tiere und kleine Kinder. Wenn ihr einen Hund habt, geht gemeinsam Gassi. Wenn ihr eine Katze habt, am besten eine schmusetaugliche und kein kratzborstiges Vieh, ladet euren Freund einfach zu euch ein. Geht zu einer Kuh- oder Pferdeweide, um die Tiere anzuschauen. Vielleicht, wenn das nicht zu anstrengend ist, in den Tierpark. Kinder sind zugegebenermaßen etwas schwieriger hervorzuzaubern, es sollte auch keine Horde sein. Aber habt keine Angst. Ihr werdet sehen, die Kinder schaffen es schneller und leichter jemanden aufzuheitern, als ihr selbst. Geht zusammen spazieren. Spielt. Lest vor. Bastelt. Backt Kuchen….
Wer eher an etwas Materielles gedacht hat: Blumen. Entspannte Hörspiele. Bücher. Musik. Malbücher für Erwachsene. Fotos von guten Zeiten und lieben Menschen. SCHOKOLADE!
