Es lebe der Sport!

Neujahrsvorsätze sind in der Regel nicht so meins – zum Einen, weil ich glücklicherweise meistens recht zufrieden bin mit mir und meinem Leben. Zum Anderen, weil ich zu den Menschen gehöre, die nicht daran glauben, dass sich mit der neuen Jahreszahl irgendetwas ändert (außer der Jahreszahl selbst natürlich).

Dieses Jahr aber habe ich tatsächlich einen Vorsatz gefasst: mehr Sport.

Nach der Babypause, diversen Erkältungen und anderen Wehwehchen, die in den vergangenen Monaten mein sportliches Comeback verzögerten, will ich endlich wieder ernsthaft Sport treiben. Nicht nur, um für den Winterurlaub fit zu werden, sondern weil ich langsam merke, wie sehr mir Sport und Bewegung fehlen. Beides – sowohl die sanfte Bewegung als auch richtiges Auspowern – sind essentiell für mein körperliches und geistiges Wohlbefinden.

Konsequenterweise spielt Bewegung eine sehr große Rolle in diesem Blog und auch in meinem Buch. Wenn ich gefragt werde, was mir geholfen hat, wieder zu mir selbst zurückzufinden, wieder auf die Füße zu kommen, dann lautet die Antwort wie folgt: Die Therapie und die Medikamente, klar. Aber vor allem auch das Schreiben und Sport. Jedes Element auf ganz unterschiedliche Art und Weise, aber gleich wichtig. Im Herbst habe ich mit Stern-Wissenschaftsjournalistin Nicole Simon im Rahmen einer Reihe zu „Sport und Psyche“ gesprochen: welchen Stellenwert Sport in der Therapie für mich hatte, welche Sportarten wann besonders gut taten und welchen Effekt sie hatten. Wer also noch Argumente braucht, um das neue Jahr bewegter werden zu lassen, hier lang:

Burnout: Wie Sport bei psychischen Erkrankungen helfen kann | STERN.de

Zum ersten Mal

Am Heiligen Abend war in diesem Jahr meine Oma zu Besuch. Meine Oma ist mittlerweile stolze 93 Jahre alt. Wie jedes Jahr stellten wir uns vor der Bescherung zum klassischen Familienfoto auf. Erst mit Oma, dann mit Tante, dann nur wir Schwestern – schließlich drückte ich meiner Oma die Kamera in die Hand. „Oma, kannst du bitte noch ein Foto von uns machen?“ „Ich?! Ich habe in meinem ganzen Leben noch kein Foto gemacht!“

Wir anderen waren alle ziemlich erstaunt. Auf die Idee, dass unsere Oma noch nie selbst ein Foto gemacht haben könnte, wären wir nie gekommen. Ich erklärte ihr, auf was sie achten muss und welcher Knopf der Auslöser war – und dann schoss meine Oma mit 93 Jahren ihr allererstes Foto. Sie war riesig stolz drauf.

Es ist nie zu spät, irgendwas zum ersten Mal zu machen. Und es ist auch nie zu spät damit anzufangen, etwas anders zu machen als die 93 Jahre zuvor.

Wir alle waren ziemlich gerührt. Und ich begann, darüber nachzudenken, welche Dinge ich in diesem Jahr zum ersten Mal gemacht habe. Die Liste ist – wenn man so darüber nachdenkt – tatsächlich ziemlich lang.

Ich habe mich zum ersten Mal getraut einen Doppelsalto zu springen.

Ich war zum ersten Mal Pilgern.

Ich habe zum ersten Mal mit psychiatrischen Patienten gearbeitet.

Zum ersten Mal erschienen meine Texte auf der Stern-Startseite. 

Ich habe zum ersten Mal Fußball gespielt.

Ich habe zum ersten Mal Schupfnudeln selbst gemacht. 

Den Rest behalte ich für mich und ich glaube, ich muss auch noch ein paar Nächte über diese Liste schlafen  – mir fällt bestimmt nicht alles auf Anhieb ein. Mein Vorsatz für’s nächste Jahr: Dabei zu bleiben, Dinge zum ersten Mal zu machen.

 

Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.

Henry Ford