Buchtipp: Der Architekt des Sultans

Diesmal geht es in das spätmittelalterliche Istanbul, in die Zeit der Sultane, ihrer Haremsdamen, der großen Baumeister und Elefantentreiber.

Jahan landet mit seinem weißen Elefanten im Palast des osmanischen Sultans. Da der Junge große Begabung zeigt, wird er zum Lehrling des berühmten Baumeisters Sinan, einer reellen historischen Persönlichkeit („Michaelangelo der Osmanen“). Die türkische Starautorin Elif Shafak begleitet Jahan sein ganzes Leben durch die Irrungen und Wirrungen am Hof, durch Kriege hindurch, durch Intrigen und Liebesgeschichten. Dabei erschafft sie ein phantastisches Märchen, das zwischen historisch verbrieften Ereignissen und Persönlichkeiten sowie ihrer großartigen Fabulierkunst einen faszinierenden Bogen spannt. Sie entführt ihre Leser regelrecht in das Istanbul des 16. Jahrhunderts – bis man selbst nachts die Tiere des Palastzoos oder den Lärm der Baustellen hört. Gleichzeitig ist das Buch ein unterhaltsames Lehrstück über den größten osmanischen Baumeister. Am besten hält man bei der Lektüre einen Stift bereit: Neben interessanten Fakten offenbart Shafak in dem 600-seitigen Werk zahlreiche Gedanken, die es wert sind, niedergeschrieben und an die Wand gepinnt zu werden.

Lasst euch von den 600 Seiten nicht abschrecken: Das Buch ist keine schwere Lektüre und der Schreibstil von Shafak, wie die Bauwerke Sinans sehr schmuckreich und ornamentenhaft, schenkt einem immer wieder von neuem eine im wahrsten Sinne des Wortes phantastische Auszeit vom Alltag. Und außerdem ist die Hardcover-Version auch ein wunderschönes, dekoratives Buch, das sich im Regal gut macht.