Kein Platz für Freude

Da habe ich es nun endlich geschafft, tatsächlich ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen – und dann kann ich mich noch nicht mal richtig drüber freuen, geschweige denn die Motivation finden, es zu vermarkten.

Stattdessen: Leere. Und: tausend andere Dinge noch zu tun, bevor meine Tochter auf die Welt kommt. Statt mich zu freuen und stolz zu sein, hakte ich nur einen weiteren Punkt auf meiner To-Do-Liste ab, mit dem Kopf schon beim nächsten. Vielleicht mag das auch an den Schwangerschaftshormonen gelegen haben, die mich zu diesem Zeitpunkt herunterregulierten, als hätte ich Tavor geschluckt. Wahrscheinlich aber war es wie so oft eine Mischung aus beidem: Unfassbar viel zu tun, die ganzen zwei Jahre zuvor, zu viel manchmal, jede winzige Auszeit musste erkämpft werden, und wurde dann doch wieder von so manchem Handwerker oder Wohnungsbewerber, der nur dann kann (und, haha, oft nicht mal auftauchte), zunichte gemacht. Der Geburtsvorbereitungskurs war eine Oase der Ruhe. Zwei Stunden mit meinem Partner, in denen es mal nicht, aber auch gar nicht, ums Haus ging. Sondern nur um uns. Zuhören, Kuscheln, mehr mussten wir nicht tun.

Ich kenne das:

Es ist so viel zu tun, dass man gar keine Zeit mehr findet, sich über Erreichtes zu freuen.

Das Leben geht drunter und drüber, so dass man gar keine Zeit mehr findet, schöne Momente zu genießen.

Man ist vollauf damit beschäftigt, das Tempo zu halten – würde man einen Augenblick innehalten, fiele man vom Rad.

Die Geburt meiner Tochter und die ersten Monate mit ihr haben mir eine Atempause gewährt, alles andere wurde unwichtig. Das Rad fuhr plötzlich von allein sehr viel langsamer, ohne dass ich fiel. Ich musste nicht mal mehr treten und blieb trotzdem oben. Mittlerweile habe ich Lust, mich nicht mehr nur ausschließlich treiben zu lassen, das auslaufende Rad wieder ein wenig anzutreiben.

Ich bin wieder da, ganz gemütlich zumindest.