Kein Platz für Freude

Da habe ich es nun endlich geschafft, tatsächlich ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen – und dann kann ich mich noch nicht mal richtig drüber freuen, geschweige denn die Motivation finden, es zu vermarkten.

Stattdessen: Leere. Und: tausend andere Dinge noch zu tun, bevor meine Tochter auf die Welt kommt. Statt mich zu freuen und stolz zu sein, hakte ich nur einen weiteren Punkt auf meiner To-Do-Liste ab, mit dem Kopf schon beim nächsten. Vielleicht mag das auch an den Schwangerschaftshormonen gelegen haben, die mich zu diesem Zeitpunkt herunterregulierten, als hätte ich Tavor geschluckt. Wahrscheinlich aber war es wie so oft eine Mischung aus beidem: Unfassbar viel zu tun, die ganzen zwei Jahre zuvor, zu viel manchmal, jede winzige Auszeit musste erkämpft werden, und wurde dann doch wieder von so manchem Handwerker oder Wohnungsbewerber, der nur dann kann (und, haha, oft nicht mal auftauchte), zunichte gemacht. Der Geburtsvorbereitungskurs war eine Oase der Ruhe. Zwei Stunden mit meinem Partner, in denen es mal nicht, aber auch gar nicht, ums Haus ging. Sondern nur um uns. Zuhören, Kuscheln, mehr mussten wir nicht tun.

Ich kenne das:

Es ist so viel zu tun, dass man gar keine Zeit mehr findet, sich über Erreichtes zu freuen.

Das Leben geht drunter und drüber, so dass man gar keine Zeit mehr findet, schöne Momente zu genießen.

Man ist vollauf damit beschäftigt, das Tempo zu halten – würde man einen Augenblick innehalten, fiele man vom Rad.

Die Geburt meiner Tochter und die ersten Monate mit ihr haben mir eine Atempause gewährt, alles andere wurde unwichtig. Das Rad fuhr plötzlich von allein sehr viel langsamer, ohne dass ich fiel. Ich musste nicht mal mehr treten und blieb trotzdem oben. Mittlerweile habe ich Lust, mich nicht mehr nur ausschließlich treiben zu lassen, das auslaufende Rad wieder ein wenig anzutreiben.

Ich bin wieder da, ganz gemütlich zumindest.

„Hervorragend geschrieben und kurzweilig“

Hervorgehoben

Ich freue mich riesig, dass es „Grüße aus der Psychiatrie“ als erstes BoD-Buch überhaupt am 2. November in die Kurzkritiken des Münchner Merkurs geschafft hat – und dann auch noch solch ein Ritterschlag. Aber lest selbst:

Das Buch ist da!

Hervorgehoben

Es hat eine Weile gedauert, aber nun ist das Buch zum Blog überall erhältlich, wo ihr sonst auch eure Bücher kauft oder direkt im BoD-Buchshop.

Sophie Blau: Grüße aus der Psychiatrie – Burn-out kommt auch im Alphabet vor Glück; ISBN: 9783756205165

Ich will euch hier auch gar nicht mit viel Text auf die Folter spannen, nur so viel: Viel Spaß beim Lesen und nein, es ist nicht nur eine Sammlung alter Blogtexte, das wäre ja viel zu einfach gewesen. Wenn euch das Buch gefällt und ihr mich unterstützen wollt, dann lasst gern dort, wo ihr es gekauft habt eine Rezension zurück und erzählt überall von meinem Buchbaby 🙂

Tausend Dank!

Eure Sophie

PS: Das E-Book ist in Kürze verfügbar!

Aus der Versenkung

Hieroglyphen, eh, Korrekturzeichen:
„Blank“ einfügen, zusammenziehen, löschen, ab hier – bis dorthin.

Meinen allerersten Manuskriptentwurf habe ich mit einem guten Freund, der sich in dem Metier auskennt, überarbeitet. Erzählstruktur, rote Fäden, Leitmotiv, Personen auf- und ausbauen: All das, was man normalerweise vermutlich gleich mit dem ersten Plott, also dem „Ideenplan“ erarbeitet, habe ich erst in diesem zweiten Arbeitsgang integriert. Das hat ziemlich viel Zeit gekostet, gleichzeitig aber auch sehr viel Spaß gemacht. Diese Art von kreativem Arbeiten kannte ich bis dato nicht, aber sie brachte mir sehr viel neuen Input sowie gute Perspektiven.

Daraufhin hatte ich gehofft, vielleicht tatsächlich eine Agentur oder gleich einen Verlag für mein Projekt begeistern zu können. Die Antwort (immerhin kamen Antworten!) lautete meist ähnlich: Klingt spannend, aber das Thema ist schwierig, würde nur mit einem prominenten Namen laufen. Sorry Leute, aber ich bin nicht Kurt Krömer, leider.

Ein wenig frustriert hat mich das zugegebenermaßen schon, auch wenn mir im vorhinein schon klar war, dass die Chance, „groß“ verlegt zu werden, sehr gering ist. Das war der Moment, an dem ich eine längere Pause einlegte. Schließlich fokussierte ich mich auf die Serie in der NEON, schrieb „nebenbei“ mein Staatsexamen, zog um und startete beruflich neu. Da lag die Prio dann erstmal recht weit weg von Blog und Schreiben.

Um das Projekt ganz ad acta zu legen, hatte ich zu diesem Zeitpunkt aber schon viel zu viel Zeit und Herzblut investiert. Nachdem ich in meinem neuen Leben also ein wenig angekommen war, startete ich also den nächsten Schritt. Da ja nach wie vor leider keine Agentur um die Ecke kam, eben in Eigenregie: Lektorat. Hier habe ich tatsächlich einfach im Web losgegoogelt und mit viel Glück eine wunderbare Lektorin gefunden. In zwei weiteren Gängen (umgerechnet einem halben Jahr) wurde nun, erstmals von einer komplett Außenstehenden, Satz für Satz auf den Prüfstand gestellt: Stimmen Inhalt, Spannungsbogen, Chronologie, Zeichensetzung, Zeiten, Absatz, Stil?

Daraufhin folgte das fachliche Korrektorat. Ich habe keinen Ratgeber geschrieben und bin selber keine Psychologin, das steht auch im Klappentext laut und deutlich – aber Unsinn verzapfen will ich natürlich trotzdem nicht. Also wanderte mein Manuskript zu einer Professorin, um mich fachlich abzusichern.

Last but not least habe ich währenddessen und anschließend einige Zeit damit verbracht, Klappentexte zu verfassen, den besten Titel zu finden sowie alle meine Quellen zu sammeln und Freigaben einzuholen.

Siehe da: Keine fünf Jahre später sitze ich mit einer ehemaligen Kollegin zusammen und bespreche mit ihr das finale Korrektorat. Von ihr stammen auch diese schönen Hieroglyphen. Im Moment sitze ich jetzt also an der letzten Runde, bessere die übrigen Rechtschreibfehler aus und werde mich dann nochmal mit Word herumschlagen um dann endlich, endlich eine fertige Datei zu haben, die ich bei BOD hochladen kann. Parallel bin ich maximal gespannt auf den Termin mit meinem Coverdesigner.

Was dann kommt? Na, ihr! Dann gibt’s mein Werk endlich überall zu kaufen und zu lesen 🙂

Alea iacta est.

Tausend Dank für das zahlreiche Feedback zu meiner Titelumfrage! Nicht im Traum hätte ich mit so vielen Abstimmungen gerechnet. Das steigert die Motivation, endlich Nägel mit Köpfen abzuliefern, ungemein.

Anfangs schien es ein knallenges Kopf-an-Kopf-Rennen zu werden, zuletzt aber kristallisierte sich ein eindeutiger Sieger heraus:

Grüße aus der Psychiatrie
oder: Burn-out kommt auch im Alphabet vor Glück

Ursprünglich wollte ich mich vom Titel dieses Blogs lösen und hatte „Grüße aus der Psychiatrie“ nur der Vollständigkeit halber mit in die Abstimmung aufgenommen. Warum, kann ich euch gar nicht so genau sagen. Aber ihr habt mich – hier, auf Insta und auch privat- ganz eindeutig überstimmt. Einige Nächte habe ich nun darüber geschlafen und jetzt meint auch mein Bauchgefühl, dass euer Favorit wunderbar passt. Und nachdem ja ohnehin nicht ich, sondern ihr das Buch lesen sollt, haben wir einen Sieger! 🙂

Diese Etappe kann ich nun also auch abhaken. Next step: fachliches Korrektorat!

Neues Jahr, neues Glück

Gut fünf Jahre ist es nun her, dass ich hier den ersten Beitrag verfasst habe. Anfangs beinahe täglich, so viel hatte ich zu erzählen, in den vergangenen Jahren nur noch sehr selten. Das hat einen Grund: mein Leben ging glücklicherweise weiter. Ich habe eine Ausbildung zur Physiotherapeutin abgeschlossen, zwischenzeitlich für die neon.de geschrieben und mittlerweile arbeite ich hauptberuflich in der neurologischen Früh-Reha. Keinen einzigen Tag habe ich die Entscheidung, beruflich noch mal neu anzufangen, bereut.

Dass es hier so lange so ruhig war, hat aber auch einen ganz anderen Grund: Vor drei Jahren etwa habe ich beschlossen, dass meine vielen Blogbeiträge nicht in den Untiefen des Internets versauern sollen. Nein, es soll ein Buch daraus entstehen. Eines, das aufklärt und den Leser vielleicht zum Nachdenken bringt, aber vor allen Dingen eines, dass sich trotz des schweren Inhalts leicht und spannend liest. Die Arbeit am Manuskript war sehr viel schwieriger als gedacht. Einfach die unzähligen Blogartikel aneinander reihen – funktionierte nicht. Ich habe also nicht nicht mehr geschrieben, sondern woanders.

Momentan ist das Manuskript im Lektorat, es soll dieses Jahr veröffentlicht werden. Wie, ob im Selbstverlag oder ob sich doch noch eine andere Möglichkeit eröffnet, steht noch nicht fest. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie es mit meinem Buchprojekt in diesem Jahr weitergeht. Hier auf dem Blog und auch auf Instagram unter @soph.blau werde ich euch darüber auf dem Laufenden halten – und freue mich natürlich, wenn ihr mir auch auf dieser Reise Gesellschaft leistet oder mich mit Tipps und Connections unterstützt! 🙂

Auf ein gutes und gesundes 2021!

Sophie

Zitat

„Es kommt mir mehr und mehr so vor, als wäre die Vergangenheit ein noch viel ungesicherterer, weniger verbürgter Ort als die Zukunft. Das, was hinter mir liegt, soll das Gesicherte sein, das Abgeschlossene, das Gewesene, das nur darauf wartet, erzählt zu werden, und das vor mir soll die sogenannte zu gestaltende Zukunft sein?

Was, wenn ich auch meine Vergangenheit gestalten muss? Was, wenn nur aus einer durchdrungenen, gestalteten Vergangenheit so etwas wie eine offene Zukunft entstehen kann? Es ist ein bedrückender Gedanke, aber hin und wieder kommt mir das Leben, das noch vor mir liegt, wie eine für mich maßgeschneiderte, unumgänglich zu absolvierende Wegstrecke vor, eine Linie, auf der ich vorsichtig bis zum Ende balancieren werde.

Ja, daran glaube ich: Erst, wenn ich es geschafft haben werde, all diese abgelegten Erinnerungspäckchen wieder aufzuschnüren und auszupacken, erst wenn ich mich traue, die scheinbare Verlässlichkeit der Vergangenheit aufzugeben, sie als Chaos anzunehmen, sie als Chaos zu gestalten, sie auszuschmücken, sie zu feiern, erst wenn alle meine Toten wieder lebendig werden, vertraut, aber eben auch viel fremde, eigenständiger, als ich mir das jemals eingestanden habe, erst dann werde ich Entscheidungen treffen können, wird die Zukunft ihr ewiges Versprechen einlösen und ungewiss sein, wird sich die Linie zu einer Fläche weiten.“

Joachim Meyerhoff, Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war, S. 348