Ich lag den ganzen restlichen Nachmittag in meinem Bett, ins Eck gerollt, mit dem Rücken zum Zimmer und tat so, als würde ich schlafen. Schlafen konnte ich ja nicht. Aber es war trotzdem irgendwie entspannend, zumindest so zu tun, als ob ich schlafen würde. Johanna hatte mich gefragt, ob ich mit zum Qi Gong kommen wollte. Das hatte ich mir eigentlich vorgenommen. Aber dann blieb ich lieber im Bett liegen. Ich musste ja nicht. Heute musste ich noch kein Therapieprogramm machen. Draußen begann es zu stürmen. Ich setzte mich auf und starrte stundenlang nach draußen und sah dem Wind dabei zu, wie er die Bäume verbog und hin und her warf.
Weit hast du es gebracht, Sophie. Du bist 27 und sitzt in der Psychiatrie.
Später am Abend geisterte ich etwas durch die Klinik, ich ging kurz in den trostlosen Innenhof, um zumindest ein bisschen frische Luft zu schnappen. Auf dem Weg zurück in den ersten Stock, in dem meine Station lag, hörte ich einen Fernseher. Es lief offenbar Fußball. Ich setzte mich dazu. Die ARD übertrug das Auftaktspiel der Bundesliga. Wie verdammt weit weg war das noch gewesen, an dem Tag, an dem ich krankgeschrieben wurde.
Zum ersten Mal wurde mir bewusst, wieviel Zeit vergangen war. Wie lange ich schon umherdämmerte. Sechs Wochen. Sechs verdammte Wochen. Eineinhalb Monate. Eine halbe Ewigkeit wäre das in einem früheren Leben gewesen. Aber Zeit hatte jede Bedeutung für mich verloren. Es gab nur den nächsten Tag.
