Weisheiten eines Weisen

Das SZ-Magazin veröffentlichte im Heft 20/17 ein posthumes, aus alten Interviews zusammengebasteltes Gespräch mit Joachim Kaiser. Er gehörte zu den bedeutendsten Musik- und Literaturkritikern des 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Ich bin nicht so sehr in den Feuilletons dieser Welt unterwegs, als dass ich mit Sicherheit sagen könnte, jemals zuvor einen seiner Texte gelesen zu haben. Aber dieses posthume Gespräch war spannend. Zwei der Weisheiten dieses klugen Mannes musste ich mir eben notieren:

Viele junge Leute wagen sich ohne Kopfhörer kaum mehr ins Freie. Mit nach innen gestülptem Blick stapfen sie beziehungslos durch die Natur. Allgegenwärtiger Lärm hat ihnen Angst vor der Stille beigebracht. 

[…]

Alles Misslingen hat seine Gründe – und alles Gelingen sein Geheimnis.

Was ist eigentlich Resilienz?

Kurzmitteilung

Im Januar schon, ein paar Tage her, hörte ich durch Zufall einen Vortrag zum Thema Stressmanagement von Dr. med. Barbara Hochstrasser, Präsidentin des Schweizer Expertennetzwerk für Burnout, in Stuttgart. Erst dachte ich, oh no, nicht schon wieder. Dann ging es mir ziemlich nah, ich überlegte den Raum zu verlassen. Und dann blieb ich doch sitzen. Denn mir erschien ihr Ansatz ganzheitlicher als alles, was ich bisher so gehört und gelernt hatte. Und vor allem dröselte sie diese ominöse „Resilienz“ in ihre Bestandteile auf. Was bedeutet Resilienz? Welche Faktoren beeinflussen sie? Und ganz wichtig: An welchen kann ich arbeiten?

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Wenn die Black Box transparent wird

Entschuldigt bitte, dass ich mich hier so selten zu Wort melde. Zu Schreiben hätte ich genug. Aber ich stecke momentan mitten in der Prüfungszeit… vier Wochen noch.

Manchmal schaffe ich es jedoch trotzdem, durch die Süddeutsche Zeitung zu blättern. Dabei habe ich in der Wochenendausgabe vom 20. Januar ein hochspannendes Interview über die Entwicklung der Büroarbeit entdeckt. Industrie- und Arbeitssoziologe Andreas Boes präsentiert darin die Ergebnisse einer dreijährigen Feldstudie. Weiterlesen

Spür‘ dich!

Der Wecker klingelt, Snooze-Taste, Snooze-Taste, ein letztes Mal Snooze-Taste, während der letzten abgetrotzten fünf Minuten läuft im Kopf schon die To-Do-Liste des kommenden Tages. Was mache ich zuerst? Was kann ich schieben? Brauche ich wirklich 15 Minuten für das Frühstück? Weiterlesen

#goodpeoplearound

Und ich scheitere in der ersten Wochen beinahe schon an meinem Vorsatz… Aber ich finde, der hier hat es definitiv auf die Liste der #goodpeoplearound geschafft. Tirol, sibirischer Wintereinbruch, vier Mädels und ein Diesel… der über Nacht sulzig wurde und sämtlich Alarm-Kontroll-Lämpchen anwarf.

Die Versicherung mit dem Auslandsservice gab unseren Auftrag an einen Kfz-Mechaniker in Innsbruck weiter. Wir waren definitiv kein Härtefall, wir saßen in der warmen Wohnung, ein zweites Auto (Benziner…) stand fahrbereit draußen – aber für die Heimfahrt am nächsten Tag war der Diesel eben doch zwingend nötig. Wir vereinbarten am Samstagmorgen – es standen noch etliche andere Aufträge und echte Notfälle auf der To-Do-Liste des Mechanikers – dass wir uns nach unserem Skitag um fünf wieder melden wollten. Dann würde er vorbeikommen. Um fünf hatte er schließlich noch neun Aufträge offen. Um halb neun meldete er sich – er war schon auf dem Weg zu uns gewesen, aber ein Unfall am Zirler Berg hatte ihn wieder weggerufen. Er käme danach sofort. Um Mitternacht erreichten wir ihn endlich. Der arme Mann hatte von morgens um acht bis Mitternacht durchgearbeitet, war bei -12°C den ganzen Tag draußen gewesen, am Wochenende – und war immer noch unglaublich freundlich und hilfsbereit!

Am nächsten Tag um zwölf war er dann bei uns. Rechtzeitig für die Rückfahrt, perfektes Timing – und immer noch gut gelaunt, freundlich und fröhlich. Hut ab. Unseren Tag hat er gerettet, das Auto lief wieder wie eine Eins und trotz der kurzen Nacht und der vielen Arbeit war er immer noch gut gelaunt. Sehr beeindruckend. Mein persönlicher Held der letzten Woche. There are a lot of #goodpeoplearound.

 

Heute

Ein gutes Jahr ist das nun her.

Heute, im Dezember 2016, arbeite ich nicht mehr in München. Wohne nicht mehr in München. Habe keine eigene Wohnung mehr. Ich habe nicht einmal mehr die gleiche Handynummer – das allerdings zufällig.

Mein ganzes Leben hat sich verändert, ich habe die Gelegenheit genutzt, noch einmal von vorn anzufangen. Ich habe meine Spielfigur tatsächlich wieder auf Los gesetzt.

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Nur Zaungast

Heute, an meinem letzten Kliniksonntag, traf ich mich mit zwei Freunden in München. Wir waren in einer beeindruckenden Fotoausstellung und schlenderten anschließend lange an der Isar entlang.

Ich kenne die beiden seit einigen Jahren. Eigentlich sind es Arbeitskollegen, aber wir haben mehr Zeit beim Sport oder auf Feiern zusammen verbracht als auf gemeinsamen Projekten. Ich hatte sie seit Juni nicht mehr gesehen. Ich freute mich und es war dann wirklich ein schöner Nachmittag – dennoch: Ich fühlte mich irgendwie fremd.

Ich kann gar nicht genau sagen, was es war. Als ob ich alles um mich herum anders wahrnehmen würde als die beiden. Ich brauchte mehr Zeit, um die Fotos, all die Sinneseindrücke zu verarbeiten, die auf mich einstürmten. Als ob ich lange, sehr viel länger als nur diese viereinhalb Monate nicht dagewesen wäre. Ein bisschen wie ein Kind, das von für Erwachsene selbstverständlichen Dinge fasziniert ist. Ich war vorsichtiger, etwas mehr auf der Hut als die anderen beiden. Für mich war das ganze einfach nicht so selbstverständlich. Es war ein vorsichtiges Herantasten an die Normalität. So ganz angekommen war ich da leider noch nicht und ich hatte das Gefühl, nur Zaungast zu sein. Zaungast der Normalität.