Immer wieder hat 2016 Anlass gegeben, an der Menschheit zu verzweifeln. Dafür muss ich keine Schlagworte nennen, denke ich. Und immer wieder gab es auch in den letzten Monaten noch Tage, da war ich einfach depressiv. Das ist dann halt so. Und wenn meine ganz private Verzweiflung an der Menschheit mit einer universellen, politisch-historischen Verzweiflung einhergeht – nicht gut. Dann bleibt einfach nur noch: die Welt ist schlecht. Aber sowas von. Was will ich hier eigentlich noch?
Aber, als es mal wieder soweit war, fiel mein Blick zufällig auf das kleine Holz-Herz auf meinem Schreibtisch. Vor Jahren hat es mir ein alter Mann in einem Bus geschenkt, einfach so. Er hatte es selbst geschnitzt, ein alter Chilene. Und dann fällt mir ein, dass mein Schicki-Handgepäckskoffer vor ein paar Monaten eineinhalb Stunden mutterseelenallein unbeschadet am Harburger S-Bahnhof überlebt hat. Mit meinem Laptop drin. Und meiner Kamera. Und nur zwei Stunden später, ich war ziemlich neben der Spur und fertig mit der Welt, rette ein Hamburger Falafelladenbesitzer erneut meinen Tag. Zehn Minuten, nachdem ich ihn gefragt hatte, ob ich bei ihm auch mit Karte zahlen konnte, stellte ich mich, nachdem ich in seinem Kiosk gegessen und getrunken hatte, an seine Kasse und wollte mit Karte zahlen. Dass er mir vorhin erklärt hatte, dass das nicht ginge – habe ich nicht registriert. Und er? Er schaute mich kurz ungläubig an. Statt in die Luft zu gehen und zu toben nahm er mich einfach an der Hand, ging mit mir in den Kiosk nebenan, rief seinem Kiosk-Nachbarn irgendetwas zu – und als wäre es das normalste der Welt zahlte ich meinen Falafel in der Postfiliale. Er nahm nicht mal ein Trinkgeld an. Passiert eben mal.
Mein Vorsatz für 2017: Diese kleinen Geschichten aufschreiben und sammeln. Falls 2017 wieder so zum verzweifeln wird. Macht ihr mit? #goodpeoplearound
Du und ich, und sonst noch ein paar Leute – wir sind auf der guten Seite!
Sportfreunde Stiller