Wieder in einer Umkleidekabine!

Heute ist der 19. Oktober. Morgen geht die Tanzlehrerin, die am gleichen Tag wie ich ankam, wieder nach Hause. Aber Zeit hat seine Bedeutung schon lange verloren.

Heute war – zumindest bisher – ein guter Tag. Um acht, wie jeden Montag und Mittwoch und Freitag, war ich mit Johanna laufen. Raus aus der Klinik, raus aus dem kleinen Ort, eine schmale Landstraße entlang, die sich zwischen frisch gepflügten und mit bunter Zwischenfrucht besäten Feldern hindurchschlängelt. Rückzu kommen wir jeden zweiten Tag bei einer kleinen Schafherde vorbei und hören rechter Hand einen kleinen Bach plätschern. Wir liefen die Runde zwar nicht komplett durch, das Geh-Intervall war aber immerhin sehr kurz.

Danach hatte ich endlich einmal wieder Zeit, um ausführlich zu duschen, meine Haare zu föhnen und zu glätten. Ich schminkte mich sogar – mit Wimperntusche und dem neuen, knallroten Lippenstift und machte mich auf den Weg zu meinem Auto. Für heute Vormittag hatte ich mir Großes vorgenommen: Shoppen.

Weiter als fünf Meter bin ich seit Anfang August nicht mehr in ein Bekleidungsgeschäft vorgedrungen. Die fünf Meter habe ich Ende letzter Woche in Begleitung geschafft. Heute also wollte ich mindestens bis ganz zum Ende des kleinen H&Ms gehen und die Kleider auch anfassen. Und vor allen Dingen mehr als zehn Minuten in dem Geschäft verbringen.

Und es ging richtig gut! Ich fühlte mich zwar unglaublich unwohl und ertappte mich selbst dabei, wie ich mir selbst einredete, dass es „sowieso nur lauter greislige Sachen“ gäbe, aber immerhin: Es fiel mir selbst auf. Und auch das bewusste Anfassen der Kleider tat gut: So hatte mein Kopf etwas Reales im Hier und Jetzt, auf das er sich zu konzentrieren hatte, und damit keine Zeit, abzudriften. Es ging schließlich so gut, dass ich mich entschloss, etwas anzuprobieren. Das Kleid war blau, ein angenehmer, dicker Stoff und im Rücken mit einem langen Reißverschluss versehen, so dass ich es nicht über den Kopf ziehen müsste. Es klappte gut. Nach wie vor fühlte ich mich nicht ganz wohl in meiner Haut und auf dem Weg zur Kabine, die natürlich so weit wie nur möglich vom Ausgang entfernt lag, warf ich immer wieder einen Kontrollblick zurück Richtung Straße, aber ich bekam kein Brust- oder Herzstechen oder Zittern. Auch nicht, als ich das Kleid probierte. Es war etwas zu klein und vor allem zu kurz (lieber H&M, ich habe fünf Kilo abgenommen und passe trotzdem auf einmal nicht mehr in eine 38?!), also nahm ich es nicht mit. Aber das war ja auch gar nicht meine Absicht gewesen. Ich hatte ein Kleid anprobiert! In einer Umkleidekabine! Und es ging gut! Tschakka! Sehr stolz und hocherfreut verließ ich den Laden. Klar, es war Montagvormittag, halb elf, es gab wohl kaum eine Uhrzeit und vor allen Dingen auch kaum einen Ort, an dem ein H&M leerer war, und mein Stresslevel war zuvor bei beinahe null gewesen, aber trotzdem!

Von meinem kleinen Erfolg angespornt ging ich auch gleich in das Geschäft nebenan – in das, vor dem noch vor fünf Wochen eine unsichtbare Wand stand. Und siehe da, ich konnte auch dort hineingehen, aber das Geschäft war dunkler und unordentlicher und irgendwie war das nicht annähernd so gut wieder H&M. Im hinteren Drittel fing auch das Bruststechen an. Ich hielt es noch ein Weilchen aus. Aber gut. Für den ersten Versuch, fand ich, war das richtig gut. Ich war dennoch sehr erleichtert, als ich auch aus dem zweiten Geschäft wieder draußen war. Die Expo war hiermit beendet. Im Anschluss belohnte ich mich mit vier Büchern, zwei Leinwänden und etwas Weihnachtsdeko… 120 € in einem Buchladen auszugeben, ist selbst für mich ein neuer Rekord… und einer neuen Laufhose (die gab es bei tschibo, das zählt nicht als Bekleidungsgeschäft).

Stolz wie Oskar stattete ich noch kurz dem Lechwehr meinen Besuch ab, schickte das Umkleidekabinenfoto stolz an meine Mutter, eine Schwester und Johanna und fuhr zurück in die Klinik. Ich war in Hochstimmung! Das Lächeln stahl sich auf mein Gesicht und blieb erst einmal da.

Etwa eine halbe Stunde später gab es Mittagessen, ich hatte vergessen zu bestellen. Ich hatte Glück und musste nicht warten, bis etwas überblieb, sondern bekam gleich ein Hühnchen mit Gemüse und Kartoffeln. Aber irgendwie war mein Appetit – noch vor einer halbe Stunde hatte ich richtig Hunger gehabt – weg. Das waren wohl schon wieder zu viele Emotionen gewesen. Später, nach der Kunsttherapie in der freien Gruppe, fühlte ich mich dann richtig schlapp. Irgendwie beinahe schon krank. Nicht schon wieder! Aber es wurde wieder besser, meine ersten Töpfersachen sind fertig geworden, und ich gehe nun noch, wieder mit Johanna, eine Runde spazieren. Abends geht es dann zum Abschiedsessen mit meinen Tischnachbarinnen.

Kirchweih

Samstagmorgen fuhr ich, wie immer, wieder nach Hause. Ich hatte ein entspanntes, schönes Wochenende vor mir: Am Samstag hatte ich nichts ausgemacht, ich wollte einfach zu Hause entspannen, erntete ein paar Äpfel und buk daraus einen guten Kuchen, wusch Wäsche und genoss das schöne Wetter und hörte meiner Katze beim Schnurren zu.

Für Sonntag, es war der Kirchweihsonntag, hatte ich mich zum Frühstück mit einer guten Freundin verabredet, war dann mit meinen Eltern essen. Auch wenn das Essen gut war, hallte es in dem kleinen Nebenraum sehr. Es war sehr laut, ich spürte förmlich, wie meine Energie begann, sich zu verabschieden. Nach dem Essen wollten meine Eltern gerne auf „einen Sprung“ bei meiner Tante vorbeischauen. Dort im Dorf war Kirchweihmarkt, bei der Tante gab es Kaffee und sehr viel sehr guten Kuchen und natürlich Kirchweihnudeln und ein Teil meiner Verwandtschaft würde dort sein. Nichts Besonderes, einfach ein angenehmes und lockeres Kommen und Gehen. Ich ging mit – schließlich hatte ich sie alle schon lange nicht mehr gesehen. Auch meine Cousine mit den beiden kleinen Kindern, wo ich im Juli öfter zu Besuch war, würde da sein. Aber es wurde mir sehr schnell zu viel. Ich ging nicht einmal mehr mit hoch auf den Markt. Aß ein Stück Kuchen. Eine Kirchweihnudel, aus der ich die Rosinen herauskrümelte. Unterhielt mich mit meiner Tante und meiner Cousine. Malte ein wenig mit meiner kleinen Großcousine, die mir daraufhin ein kleines Bild von einem Einhorn schenkte. Aber dann war Ende Gelände. Ich musste weg. Ich ertrug den „Lärm“ nicht mehr, ich hatte keine Kraft und Lust mehr, mich mit irgendjemandem zu unterhalten, selbst die Energie, dem Gespräch, das auf der Kaffeetafel hin- und herflog, nur zu folgen, fehlte mir. Ich fuhr nach Hause. Da war niemand, außer der Katze, da war es still. Meine Schwester war ja in Berlin.

Die eigenen Ressourcen aktivieren

Wassergymnastik tat gut. Ein bisschen komisch im Wasser herumhüpfen. Weil heute die Sonne durch die Fenster auf das Wasser schien, war es ausnahmsweise auch mal gar nicht so kalt. Meine neue Zimmernachbarin war auch mit in der Wassergymnastik – eine Positiv-Verrückte mehr dort, das machte es auch deutlich besser.

Beim Mittagessen erfuhr ich, dass Jeanette mittlerweile die Klinik verlassen hatte und zurück in der Psychiatrie war. Sie war nach ein paar Tagen hier tatsächlich im Zimmer meiner Tischkollegin gelandet. Anfangs, als ich das hörte, hatte ich mich sehr zurückgehalten – nur weil ich sie furchtbar fand, mussten andere sie ja nicht auch so schlimm finden – aber, was soll ich sagen. Nicht nur ich fand sie furchtbar. Wie ich in der Psychiatrie hatte sich auch meine Tischkollegin, nach einem ersten freundlichen Versuch, vor ihr regelrecht versteckt. Sie hielt mit ihrer Schnarcherei natürlich auch dieses Zimmer die ganze Nacht wach – und ich dankte innerlich einmal, dass ich hier immer Glück mit meinen Zimmernachbarinnen hatte – und legte sich schließlich sogar mit dem Personal, der Putzfrau und den Therapeuten an. Die ganze Klinik kannte sie. Die ganze Klinik ging ihr spätestens nach der zweiten Begegnung aus dem Weg. Schließlich ging sie zurück in die Psychiatrie.

Danach war wieder Burnout-Gruppe. Drei Sitzungen hatte ich noch vor mir. Immerhin hatte ich mit Iris endlich eine Verbündete in der Runde, aber den Beamten und den Hengst eineinhalb Stunden lang in ihren sich abwechselnden Monologen zu ertragen, war nicht leicht. Mittlerweile war mir sogar die hagere Krähe regelrecht sympathisch geworden, ganz im Vergleich zu den beiden. In dieser Stunde ging es um die Basics der Stressbewältigung. Und damit meine ich wirklich Basics. Wir sollten unsere Alltag hinterfragen, von Wann stehe ich auf und wann gehe ich ins Bett? über Wann und was esse und trinke ich? bis hin zu Was tue ich, um mich geistig zu bewegen? und Wie sehen meine zwischenmenschlichen Kontakte aus?

Der Grundtenor: Nur, wenn ich anfange, mich selbst besser zu behandeln, werde ich auch anfangen, mich besser zu fühlen.

Nach einem kleinen Exkurs zur Schlafhygiene (Einschlafritual!) und einer Selbstbefragung zum Thema Wobei kann ich mich gut erholen und wie kann ich das in meinen Alltag integrieren? bekamen wir diesmal eine Hausaufgabe: die Aktivierung unserer eigenen Ressourcen.

Was man darunter versteht? Alles, was uns Kraft gibt. Das kann Materielles sein – in meinem Fall mein Auto, meine Wohnung, bestimmte Bücher – aber auch eben Dinge, die man nicht täglich vor Augen hat, die man sich immer wieder bewusst machen sollte:

Die eigenen Stärken: Talente, Fähigkeiten und Werte, die man an sich selbst besonders schätzt, Fähigkeiten, auf die man sich selbst in schlechten Zeiten verlassen kann, auf die man bauen kann.

Soziale Kraftquellen: Welche Personen in meinem Umfeld, welche Vorbilder, Idole, Tiere oder auch fiktive Personen geben mir Kraft?

Und, ganz besonders, denn das vergisst man allzu gern: Welche Schwierigkeiten habe ich in meinem Leben schon gemeistert? Wir alle haben mit Sicherheit schon schwierige Zeiten hinter uns gebracht – die haben wir mehr oder weniger gut gemeistert, aus denen haben wir aber auf jeden Fall gelernt, ganz nach dem Motto: Was uns nicht umbringt, macht uns stark. Ruft euch das in solchen Zeiten wieder ins Gedächtnis.

Dann war Pilates, was wie immer verdammt gut getan hat. Dann Einzeltherapie. Ich hatte ein wenig Angst davor, war unruhig. Meine Therapeutin fing diese Unruhe und Nervosität aber gleich am Anfang ganz gut ab. Wir würden das Thema Eingliederung erst einmal für diese Woche ruhen lassen. Außerdem bot sie mir an, meinen Entlasstermin um eine Woche zu verschieben – dann hatte ich noch vier Wochen Zeit, statt nur drei. Und ich sollte trotzdem bitte den Termin bei der Sozialtherapeutin wahrnehmen – die könnte mich ja nicht nur mit der Eingliederung unterstützen, sondern auch, wenn ich mir wirklich nicht wieder vorstellen konnte, dorthin zurückzugehen, mir möglicherweise Alternativen aufzeigen. Und schließlich: Wir können Sie auch gar nicht zu einer Eingliederung zwingen. Ich halte das zwar für sinnvoll. Aber ohne Ihre Unterschrift geht das nicht. Das war zwar nicht alles ganz so in meinem Sinne. Aber immerhin hatte ich nun ein wenig Aufschub erhalten. Danach besprachen wir noch die Ergebnisse des Persönlichkeitstests, den ich während ihres Urlaubs gemacht hatte. Ich hatte von ihr einen Auszug aus einem Buch erhalten, das die verschiedenen „Stile“ sehr detailliert beschreibt. Und ja, ich fand mich wieder. „Haltung bewahren ist nicht ihre Sache“, „sie haben wenig übrig für die trockenen Seiten des Daseins; Details, Routine, Planen und Finanzen“ und selbst die erste Berufsgruppe, die als typisch für diesen Stil aufgeführt wird: Public Relations. Natürlich fand ich mich nicht in jedem einzelne Satz und Charakteristik wieder – aber doch in erstaunlich vielen.

Ich gehöre nicht zu den Frauen, die jeden Psychotest machten, die an Horoskope oder Astrologie glauben (übrigens ganz im Gegensatz scheinbar zu meinem „Stil“). Aber da ist wohl doch etwas dran. Mehr als nur ein bisschen.

Der Wunschkuchen

Mittlerweile waren wir in der Burnoutgruppe wieder an die zehn Leute. Die Apothekerin war immer noch da, ich, meine neue Zimmernachbarin, die Magersüchtige, dann außerdem ein Beamter, der recht unflexibel war, und der Hengst. War der Beamte schon eine Bereicherung für die Gruppe gewesen – es ging beinahe nur noch um ihn und seine Probleme, er scheute keine Diskussion mit der Leiterin oder anderen Gruppenmitgliedern und zudem war er recht unflexibel, was seine Denkweise angeht. Zusätzlich war er wohl der erste Mensch, den ich kennenlernte, der partout nicht wusste – oder sich bewusst verweigerte, sein erklärtes Ziel des Klinikaufenthalts war schließlich die Erlangung einer Arbeitsunfähigskeitserklärung (mit Anfang 30!!) – womit er sich etwas Gutes tun konnte. Spazieren gehen? Es ist windig. Eine Tasse Kaffee? Trinke ich nicht. Tee? Trinke ich den ganzen Tag, das ist nichts Besonderes. Ein Stück Kuchen vielleicht? Sehen Sie mich an, damit tue ich mir nichts Gutes. Es muss doch irgendetwas geben, was sie gerne machen, womit sie sich etwas Gutes tun können? Zuhause bin ich gerne geschwommen, aber die Klinik ist ja zu geizig, um das Wasser zu heizen, so dass man schwimmen könnte. Ihr seht schon. Ein sehr anstrengender Patient.

Jedenfalls, war der Beamte schon eine Bereicherung für die Gruppe gewesen, schoss der Hengst den Vogel ab. Seine Vorstellung dauerte mehrere Minuten. Er war in der Gastronomie selbstständig gewesen, Konkurs gegangen und dadurch nun in den Burnout gerutscht. Wir erfuhren sehr detailliert über sämtlich Behörden und die Verbraucher, die ihn in den Ruin getrieben hatten. Zudem beschrieb er seinen Charakter sehr detailreich, indem er dessen einzelne Elemente mit verschiedenen Tieren verglich. Ein Adler war dabei, aber der stolze Araberhengst, der ist bei mir und meiner Zimmernachbarin, Sophie, am meisten hängen geblieben. Der Hengst. Ein Mann, der sich offensichtlich viele Gedanken über sich selbst macht.

Die Burnoutgruppe war zwar nach wie vor nicht meine Lieblingsgruppe, aber nun hatte ich erstens mit Sophie wieder eine Verbündete in der Runde, und zweitens war es, eine Zeit lang zumindest, amüsant zu beobachten, wie sich Hengst und Beamter um den höchsten Redeanteil duellierten. Sonst kam niemand mehr zu Wort. Selbst die leitende Psychologin hatte zu kämpfen. Ruhe herrschte nur bei Stillarbeit. In dieser Stunde: Der Wichtigkeitskuchen. Wir sollten in einem Kuchendiagramm eintragen, welche Lebensbereiche aktuell wieviel Zeit in unserem Leben einnehmen. Arbeit, Partnerschaft, Familie, Gesundheit, Freunde und Verwandte, Wohnen und Finanzen und Freizeit. Gar nicht so einfach, das auf’s Papier zu bringen. Und ehrlich zu sich selbst zu sein.

Dann im zweiten Schritt: Der Wunsch-Wichtigkeitskuchen: Wie hätte ich es denn gerne? Was ist halbwegs realistisch umzusetzen? Welche Bereiche kann oder muss ich kürzen, um meinem Wunschkuchen möglichst nahe zu kommen?

Macht das mal! Man hat es doch meistens im Kopf. Immer das Gefühl, dass man zu diesem und jenem nicht kommt. Nichts anderes mehr macht als Arbeiten. Stimmt das wirklich? Und wenn tatsächlich – was sind denn die Rädchen, an denen ich drehen kann, um den Ist-Zustand zu verbessern?

 

 

Filmtipp: Garden State

Auf dem Rückflug aus Rio, Simon & Garfunkel im Ohr, meinte mein Nachbar, dass ich mir unbedingt „Garden State“ anschauen müsse. Nun, das habe ich drei Tage später getan. Und ihr solltet das auch tun 🙂

Es ist das Regiedebut von Scrubs-Star Zach Braff, der gleichzeitig die Hauptrolle spielt. Ein unerwartetes, aber nettes Wiedersehen. Genauso wie übrigens auch mit Sheldon Cooper aus Big Bang Theory, der eine kleine, aber legendäre Rolle übernimmt.

Die Story ist liebenswert verquer, eine Liebesgeschichte, die ob der Charaktere der beiden Hauptfiguren und dem Drumherum beinah ins Hintertreffen gerät. So hört er auch genau da auf, wo andere Liebesfilme erst beginnen und endet, passend, mit der Frage: „Und was machen wir jetzt?“.

Der Film lässt einen ob aberwitziger und skurriler Szenen laut auflachen, und im nächsten Moment nachdenklich über das Leben und den manchmal darin herrschenden Wahnsinn sinnieren.

Aber so ist das Leben. Es ist doch immer noch irgendwo das Leben. Es ist da und manchmal tut es scheiß weh. Und am Ende ist es alles was wir haben!

Passend zu diesem Blog, spielen Psychopharmaka, Psychiater, psychische bzw. neurologische Krankheiten eine weitere Hauptrolle. Aber auf angenehme Art und Weise: Sie sind einfach da, unaufdringlich, und werden im Nebensatz diskutiert. Insgesamt erinnert der Film ein wenig an „The Perks Of Being A Wallflower“.

Habe ich außerdem erwähnt, dass Natalie Portman die weibliche Hauptrolle spielt?

Elterngespräch

Gerade bei psychischen Krankheiten ist das persönliche Umfeld in der Regel stark mit betroffen. Umso sinnvoller sind daher Eltern- oder Paargespräche.

Zum einen haben die Angehörigen so die Möglichkeit, Genaueres über das Krankheitsbild zu erfahren und insbesondere auch, wie damit umzugehen ist. Zum anderen bietet sich in einem geschützten Rahmen die Möglichkeit, Punkte anzusprechen, die die Beziehung zwischen den beiden Menschen betreffen, die Auswirkungen auf die Krankheit haben / hatten.

Ich nähere mich langsam der 30. Insbesondere in einer ländlichen Umgebung hält sich immer noch stark das Bild, das man mit 30 seinen Lebensmittelpunkt gefunden hat, eine gute Zeit, um zu heiraten, Haus zu bauen und Kinder zu kriegen. Ganz unabhängig davon würde ich mir wünschen, endlich irgendwo anzukommen. An einem Ort, von dem ich weiß, dass dies keine Zwischenstation auf meinem Lebensweg ist, mit Menschen, die mich nicht nur in einem Lebensabschnitt begleiten werden. Aber leider ist dem nicht so. Und das zählt leider einfach auch zu den Dingen, die sich mit einem eisernen Willen nicht regeln lassen. Also treibe ich weiter so vor mich hin, ob mir das gefällt oder nicht. Ich kann es nicht ändern. Die meiste Zeit ist das auch völlig okay für mich.

Stressig wird es aber, wenn das ohnehin bereits fragile Bauwerk, das ich mir dazu aufgestellt habe, dann von außen belastet wird. Wenn etwa wiederholt erwähnt wird, Hm, mit 25 war ich schon vier Jahre mit meinem jetzigen Mann zusammen. Wenn der Chef erklärt, man käme ja jetzt in ein Alter, in dem man sich ja auch grundsätzliche Fragen stellen müsste.

Verdammt, Leute, ich wüsste doch auch gerne, wo es mich hin treibt! Und mit wem! Aber ich weiß es nicht! Also lasst mich damit in Ruhe. Löst euch endlich von euren fixen Plänen und Vorstellungen – meint ihr denn, mir geht es anders? Leben ist das, was passiert, während wir Pläne machen. Wie wahr dieser Spruch ist, habe ich in diesem Jahr oft genug erfahren müssen.

Jedenfalls hatte ich gestern auch noch das Elterngespräch. Ich war davor ziemlich aufgeregt gewesen. Aber es lief gut. Die Therapeutin war toll (ganz entgegen zu gestern) und ich war stolz auf mich und meine Eltern. Alleine, dass sie da waren, tat mir unglaublich gut.

Danach gingen wir in die Cafeteria, einen Kaffee trinken. Als wir durch die Glastüren traten, saßen am rechten Ende des Raumes eine Gruppe Jugendlicher, alle mit einem Zettel auf der Stirn. Als wir bestellten, blickte mein Vater unauffällig zu ihnen hinüber. Leise und etwas unsicher fragte er mich, ob das denn auch eine Therapie wäre? Ich musste schmunzeln. Vor zwei Sekunden hatte ich selber überlegt, was denn die U20er da treiben. Passte auch wunderbar in das verquere Bild, dass einem Hollywood von einer Gruppentherapie vermittelt. Aber nein, antwortete ich. Die spielen nur „Wer bin ich?“.

 

Beate

Heute stelle ich euch meine neue beste Freundin, die Beate vor. Die ist auch gut bekannt mit einer anderen, neuen Bekannten, der Amygdala.

Nachdem in einem eher ausschweifenden Blitzlicht meine Therapeutin in Sachen Wiedereingliederung den Degen niedergelegt hatte und meine Wut verraucht war, gingen wir zur Tagesordnung über. Chris hatte heute, zum zweiten Mal überhaupt, ein Thema. Er war, wie bereits erwähnt, wegen Agoraphobie da. Darum ging es aber diesmal gar nicht. Er hatte einen riesigen Schritt gewagt und alle seine Medikamente abgesetzt. Zum einen kämpfte er nun seit zwei Wochen mit den Entzugserscheinung, zum anderen wusste er jetzt, wo sie nicht mehr gedämpft wurden, einfach nicht mehr wohin mit seinen Emotionen. Ich hatte es beim Volleyball auch schon bemerkt – teils wurde er nun richtig aggressiv, selbst beim kleinsten Auslöser. Er wollte nun also wissen, wie er denn damit umgehen sollte, oder besser, wie er seine Gefühle, die ja offensichtlich da waren, irgendwie in Schach bekommen konnte. Ignorieren ging nämlich nicht.

Da kommt die gute Amygdala ins Spiel. Die Amygdala, oder Mandelkern, steuert, vereinfacht gesagt, entsprechend den Sinnesreizen, die wir wahrnehmen, Emotionen aus. Das ganze geschieht unbewusst und noch bevor wir aktiv, bewusst und verstandesbetont auf diese reagieren können.

Erinnert ihr euch beispielsweise noch an  Ex-Ex-Freund, von dem ich vor Monaten geschrieben habe? Fast zwei Jahre später, man sollte vielleicht hinzufügen, dass es mir zu diesem Zeitpunkt schon überhaupt nicht mehr gut ging und ich zudem auch nicht ganz nüchtern war (Alkohol und Amygdala verstehen sich suuuuper…), war ich mit meinem damals aktuellen Freund auf einer Party. Ich kenne beinahe niemanden außer ihm. Er verschwindet auf die Toilette. Er ist lange weg. Und zufällig bemerke ich, dass auch seine Ex-Freundin, die ich an dem Abend zum ersten Mal sah, auch weg ist. Dejà-vu. Zack. Plötzlich war ich nur noch Gast in meinem Film. Mein Körper spielte automatisch absolute Panikreaktionen ab, ich hatte Mühe, mich vor einer Flucht (d.h. wie damals abhauen) – oder Angriffsreaktion (d.h. schreiend die Toiletten stürmen) abzuhalten. Und das alles, obwohl ich ganz genau wusste, dass dieser Moment überhaupt nichts mit dem vor zwei Jahren zu tun hatte und ich mir wirklich, wirklich keine Sorgen machen musste. Zumindest nicht wegen der Ex-Freundin. Ich hatte kaum eine Chance gegen mein Unterbewusstsein, ich wusste gar nicht so recht, was los war.

Das war nun ein Extrembeispiel. Aber so schaltet die Amygdala oft heftige emotionale Reaktionen zu einer Wahrnehmung, bevor wir bewusst dagegen steuern können. Oft nehmen wir die Reaktion auch gar nicht als abnormal wahr. Wir spüren sie ja, wie jede angemessene Reaktion auch. Also muss sie doch okay sein. Das Problem ist also, erst einmal herauszufinden, welche Emotion angemessen ist und welche die gute Amygdala übersteuert.

Das war auch genau das, was nun Chris wissen wollte. Wie zum Teufel kann ich Gefühle, die nun einmal da sind, und heftig da sind, einfach „weg“ machen? Die Antwort darauf weiß BEATE:

Benennen des aktuellen Gefühls

Erkennen des biographischen Zusammenhangs

Anerkennen der Dysfunktionalität (oder „Realitätscheck“)

Trennen von spontanem Verhaltensimpuls

Einüben / Experimentieren mit einem neuen Verhaltensmuster entsprechend des eigentlichen Bedürfnisses

Also:

B:

Mein Gefühl war, extremst verletzt worden zu sein.

E:

Der biographische Zusammenhang war in diesem Fall überdeutlich, habe ich ja schon erwähnt.

A:

Ich erkannte, dass die Situation zwar ähnlich war, aber nicht gleich und vor allem die handelnden Personen und deren Vorgeschichte eine ganz andere war.

T:

Ich trennte mich (wenn auch nur unter höchstem Kraftaufwand) von einem unsinnigem Flucht- oder Angriffsimpuls.

E:

Probierte eine neues Verhalten aus: Nämlich ruhig, ohne Vorwurf (zumindest dachte ich, dass es so wäre), das Thema sofort anzusprechen.

Der Abend endete zwar trotzdem nicht wie gewünscht. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Das Karussell ist wieder da…

Wer mit der Burn-Out-Gruppe fertig ist – das sind ca. vier Wochen – verlässt dann in der Regel zwei Wochen später die Klinik und beginnt wieder zwei Wochen später mit der Eingliederung. Ich habe zwar immer noch keinen Entlasstermin, der ursprüngliche war vor zwei Wochen auf unbestimmte Dauer verschoben worden, aber allein die Möglichkeit, dass ich Mitte November eventuell schon wieder arbeiten müsste, machte mich panisch. Ich war froh über jeden normalen Tag, den ich ohne Depressionen, Angst- oder Erschöpfungszustände verbrachte. Ich war froh, wenn ich den Klinikalltag gut bewältigen konnte. Nach einer Stunde kochen brauchte ich zwei Stunden Pause. Meine Konzentration verabschiedete sich nach wie vor nach spätestens einer Stunde. Ich hatte seit drei Monate nicht mehr in meiner eigenen Wohnung übernachtet, weil ich nicht gut allein sein konnte. Ich hatte Schwierigkeiten in öffentlichen Verkehrsmitteln, mir war an manchen Tagen das Ticken der Uhr zu laut. Die Urlaubsvertretung meiner Therapeutin schaffte es relativ pragmatisch, diese Angst zu verscheuchen. Jetzt schauen sie erst einmal, dass sie wieder wissen, wer sie sind und was sie wollen. So lange es ihnen nicht gut geht, werden sie krankgeschrieben werden. Das beruhigte mich ungemein.

Keine Woche später hatte ich wieder einen Termin mit meiner eigentlichen Therapeutin, die gerade wieder aus dem Urlaub zurück war.

Wir müssen uns ja noch über ihre Entlassung unterhalten. Am 5. November ist ja der Termin. Was haben sie denn mit der Sozialberatung wegen der Eingliederung besprochen?

Mir blieb der Mund offen stehen, zack, war die panische Angst, die ich erst vor wenigen Tagen mühsam begraben hatte, wieder da.

Aber, davon weiß ich ja noch gar nichts.

Ach so? Ja, dann wurde das wohl vergessen. Es folgte eine kurze Diskussion, in der ich versuchte, meinen Standpunkt auszudrücken, aber ich war so überrumpelt, dass ich die naheliegendsten Argumente – wie etwa „dazu bin ich geistig und körperlich noch nicht in der Lage“ – nicht mehr fand.

Ich bekam also den Auftrag, mich am nächsten Tag bei der Sozialberatung anzumelden.

Nachdem der erste Schock verdaut war, wurde ich wütend. Und panisch. Und ängstlich. Und nervös.

Der Tornado in meinem Kopf legte wieder los. Wieder und wieder spielte sich in meinem Kopf die Szene ab, wie schon so oft verfluchte ich mich auch diesmal, nicht besser reagiert zu haben, ich zählte in meinem Kopf die einzelnen Gründe auf, die es mir unmöglich machten, in fünf Wochen wieder zu arbeiten. Ich kann in München nicht U-Bahn fahren – wie soll ich dann einen Termin in Hamburg wahrnehmen? Dazu müsste ich fliegen. Ich habe noch nicht einmal ein – von der Belastung her normales – Wochenende oder zwei Tage am Stück durchgestanden. Wie sollte ich da wieder arbeiten gehen können? Ich hielt es nach wie vor nicht länger als eine Stunde am Stück in der Cafeteria aus. Wie sollte ich dann mehrere Stunden in einem Vierzig-Mann-Großraumbüro überleben? Allein beim Gedanken daran zog sich bei mir alles zusammen. Ich überlegte hin und her, wappnete mich innerlich für einen Kampf gegen die Therapeuten und die Krankenkasse, ich war nicht mehr in der Lage, aus dem Karussell auszusteigen.

Wenn ich mich beschäftigte, stand es kurzzeitig still. Bei nächster Gelegenheit fuhr es wieder los. Immer schneller. Schließlich lag ich abends im Bett und hatte, genau wie während der letzten Wochen, in denen ich noch arbeitete, das Gefühl, wahnsinnig zu werden, wenn mein Kopf nicht bald aufhörte, sich immer weiter zu kreisen. Ich versuchte es etwa eine Stunde mit schlafen. Keine Chance. Entnervt schaltete ich das Licht wieder an – meine zwei Zimmernachbarinnen freuten sich sicher wie Schnitzel – schnappte mir einen Pullover und marschierte nach unten zur Medizinischen Zentrale. In meinem rosafarbenen-Snoopy-Satin-Schlafanzug, einem grauen Sweatshirt mit großen, bunten Kreisen darauf und Haaren, die kreuz und quer standen. Ich wollte ein Mittel, dass mich ausknockte. Irgendetwas, das so stark war, dass ich meinen Kopf und das verdammte Karussell loswurde. Am besten ein Betäubungsmittel.

Bei mir war keine Bedarfsmedikation festgelegt – abends hatte ich bis vor wenigen Wochen ja die entspannenden Mirtazapin genommen. Das Beste, was sie mir anbieten konnte, waren Baldrian-Pastillen, die wie weiße Smarties aussahen. Herzlichen Glückwunsch. Ich war nicht gerade hocherfreut darüber und stellte mich gedankliche auf eine katastrophale Nacht ein.

Wieder im Bett schrieb ich noch eine Weile mit meiner Schwester hin und her. Und irgendwann wurde ich müde. Ich schlief ein. Ich schlief tief und fest, träumte mal wieder komische, aber immerhin positive Träume. Beim ersten Schrillen des Weckers um 7:00 Uhr war das Karussell wieder da. Also stand ich, ganz entgegen meiner sonstigen Gewohnheit, auf. Frühstückte etwas, obwohl mir eher schlecht war. Um acht war Walken. Das Laufen würde gut tun, da könnte ich mich etwas auspowern und der geistigen Erschöpfung eine körperliche entgegenstellen. Und eigentlich würde ich auch gerne davonlaufen. Ich hatte im Kopf am Vortag bereits Szenarien durchgespielt, wie ich dem Ganzen entfliehen könnte. Was passieren würde, wenn ich aus der Klinik abhauen würde. Generell einfach davonlaufen? Als wir auf die Therapeutin warteten, die uns in der Anwesenheitsliste abhakte, kam ich mit einem Mitpatienten ins Gespräch und irgendwie auf das Thema zu sprechen. Er meinte nur – naja, in der Regel kann man mit denen ja auch reden. Wenn’s nicht geht, geht’s halt nicht. Er war Traumapatient, die haben in der Regel eine große Erfahrung ,was Kliniken und Krankenkassen betrifft, insofern beruhigte mich das etwas. Das Laufen tat sehr gut. Danach wartete ich während der zehnminütigen Sprechzeit vor dem Stationszimmer auf die Therapeutin, die mich während der Urlaubsvertretung betreut hatte. Ich wollte gern zu ihr wechseln. Ich hatte das Gefühl, sie verstand mich besser. Aber sie kam nicht. Also musste ich wieder los, sonst würde ich es nicht mehr schaffen zu duschen, bevor die Gruppe begann. Die auch noch mit meiner Therapeutin war. Die gerade einer der letzten Menschen war, die ich sehen wollte.

Die Gruppe beginnt immer mit einem kurzen Stimmungsblitzlicht – jeder sagt, wie es ihm gerade geht. Ich sagte, etwas zögerlich: Super angespannt, wütend, ängstlich, beinahe schon panisch. Sie fragte direkt zurück: Auf mich? Ich erklärte ihr das, holte kurz aus – länger als bei einem Blitzlicht eigentlich üblich – was für panische Angst ich derzeit noch davor hatte, wieder arbeiten zu gehen, weil ich einfach spürte, dass sowohl Kopf und Körper noch nicht annähernd bereit dafür waren. Plötzlich zeigte sie Verständnis. Versprach mir, dass wir das Thema noch einmal näher besprechen würden. Danach war ich etwas erleichterter. Die Wut verraucht. Therapeuten sind auch nur Menschen.

Morgen ist das nächste Therapiegespräch. Ich bin gespannt. Aber jetzt wieder zuversichtlich. Den Termin bei der Sozialtherapie habe ich trotzdem.

 

 

Alltag in der Klinik

Montagmorgen. Der mittlerweile 9. Montag in Folge in einer Klinik. Ein Stück Knoten war entwirrt. Aber das Knäuel, das noch übrig war, war immer noch größer. Und ich immer noch im negativen Energiebereich. Die größte Sorge hatte mir die Therapeutin letzte Woche genommen. Ich war etwas erleichtert.

Das Wochenende war okay gewesen. Irgendwie komisch ohne Schwester. Ich war ziemlich antriebslos gewesen. Hatte nicht viel gemacht. Jetzt war ich wieder in der Klinik, mit Johanna beim Laufen gewesen um acht. Das tat gut, auch wenn in den letzten Tagen meine Hüfte wieder begonnen hatte zu mucken. Und neuerdings hatte ich unter dem linken Schulterblatt eine steinharte Verspannung, die ich beinahe bei jeder Bewegung meines Arms spürte. Am Mittwoch war wieder Damensauna. Die Infrarotkabine dort war das Einzige, was diesen Knopf löste.

Ins Klinikleben hatte ich mich mittlerweile total eingewöhnt, ich war ja nun auch schon ein „alter Hase“. Ich hatte nach wie vor nicht besonders tiefergehenden Kontakt mit anderen Mitpatienten außer Johanna, aber ich ging gern abends zum Volleyballspielen oder hin und wieder in den Kunstraum und malte oder töpferte abends. Tagsüber machte ich den ein oder anderen Ausflug, manchmal musste man einfach hier raus. Ich machte für mich ein bisschen Yoga, schrieb, las, ging mit Johanna lange Runden spazieren, malte in meinem Malbuch ein Tier nach dem anderen und zuletzt hatte ich mich an ein großes Puzzle gewagt. Da saß ich, wenn ich das Gefühl hatte, Ruhe zu brauchen, also wenige Reize für meinen Kopf, aber doch Beschäftigung zu brachen, und puzzelte. Es dauert zwei Wochen, bis das erste Puzzle fertig war. Aber es wurde fertig.

Ich hatte nach wie vor keine große Lust, Zeitung zu Lesen. Ich war immer noch viel zu sehr mit mir beschäftigt, als dass ich Energie übrig gehabt hätte, um mir um Dinge wie die Flüchtlingskrise Gedanken zu machen oder mit den Flüchtlingen Mitleid zu haben. Aber ich schnappte mir seit einiger Zeit jeden zweiten Tag abends, wenn der Kiosk schloss, die Abendzeitung, um das Sudoku zu lösen, mein kognitives Training. Mittlerweile schaffte ich, wenn ich mir Zeit ließ und Pausen einlegte, sogar das Mittelschwere.

Mit dem Zimmer hatte ich nach wie vor Glück: Sechs Wochen lang waren wir nur zu zweit gewesen. Seit letztem Mittwoch waren wir nun zu dritt. Eine supernette, etwa 45-jährige Berufsschullehrerin aus Norddeutschland, die Leben in die Bude brachte. Wie ich war sie wegen Burnout hier.

Kurzmitteilung

Ich bin wieder da 🙂 Mir geht’s gut, und einen besseren Ort für ein einjähriges Psychiatriejubiläum als die Copacabana hätte ich mir definitiv nicht wünschen können…

Jedenfalls, freut euch, es geht weiter im Text!

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Carioca way of life…