„Glücklich?“

Letzten Sommer, auf dem Heimweg von Rio, irgendwo über dem Pazifik zwischen „Chicken or Pasta“ und Tomatensaft, rannen mir plötzlich Tränen über mein Gesicht. Ich konnte es immer noch nicht fassen. Ich hatte es geschafft. Ich war nicht nur wieder da, sondern ich hatte sogar das, was noch vor wenigen Monaten beinahe unmöglich erschien, möglich gemacht.

„Alles in Ordnung?“, fragte mein Nachbar etwas besorgt. „Ja, doch“, antwortete ich, und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. „Du kannst dir nicht vorstellen, was diese zwei Wochen in Rio für mich bedeuten. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so glücklich gewesen zu sein.“

„So richtig glücklich?“, flüsterte mein Nachbar fast. „Diese Hoffnung habe ich eigentlich schon aufgegeben.“

 

Dieser Satz brauchte sehr lange, um bei mir wirklich anzukommen. Ich kannte dieses Gefühl nur zu gut. Erwachsensein bedeutet meistens, vor lauter Pflichten, Erwartungen und Rechnungen gar keine Zeit mehr zu haben, glücklich zu sein.

Aber was, wenn ich mir die Zeit einfach nehme?

Wenn ich ganz dreist mein Handy eine halbe Stunde lang ausschalte und stattdessen das Blau des Himmels über mir bewundere? Wenn ich ganz dreist eine von den vielen sozialen Verabredungen sausen lasse und stattdessen ins Yoga gehe? Oder in die Kirche? Oder einfach alleine im Wald spazieren? Wenn ich ganz dreist einfach mal kurz, inmitten des ganzen alltäglichen Trubels, die Augen schließe und dreimal tief durchatme?

Glück ist kein Ziel, das wir am Ende unserer bucket list oder mit einer bezahlten Rechnung erreichen. Glück ist der Weg.

Weisheiten eines Weisen

Das SZ-Magazin veröffentlichte im Heft 20/17 ein posthumes, aus alten Interviews zusammengebasteltes Gespräch mit Joachim Kaiser. Er gehörte zu den bedeutendsten Musik- und Literaturkritikern des 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Ich bin nicht so sehr in den Feuilletons dieser Welt unterwegs, als dass ich mit Sicherheit sagen könnte, jemals zuvor einen seiner Texte gelesen zu haben. Aber dieses posthume Gespräch war spannend. Zwei der Weisheiten dieses klugen Mannes musste ich mir eben notieren:

Viele junge Leute wagen sich ohne Kopfhörer kaum mehr ins Freie. Mit nach innen gestülptem Blick stapfen sie beziehungslos durch die Natur. Allgegenwärtiger Lärm hat ihnen Angst vor der Stille beigebracht. 

[…]

Alles Misslingen hat seine Gründe – und alles Gelingen sein Geheimnis.

#goodpeoplearound

Samstagvormittag, ich habe gerade am V-Markt (sowas wie Kaufland) getankt und tippe jetzt die Adresse einer Freundin, die ich besuchen will, in Googlemaps ein. Plötzlich klopft es an mein Autofenster, ein älterer Herr mit Fahrrad steht davor. Was will der denn, denke ich. Motzen, weil ich die Zapfsäule nicht sofort freigemacht habe?

„Entschuldigung, haben Sie gerade getankt?“

„Ja, warum?“

„Sie haben Ihren Voucher nicht mitgenommen. Für jedes Tanken hier bekommt man eine Gutschrift für den nächsten Einkauf bei einem V-Markt. Wollen Sie den nicht mitnehmen?“

#goodpeoplearound #nichtgleichimmerschlechtesbefürchten

#goodpeoplearound

Wieder die gleiche Treppe, hundert Stufen vom Parkplatz bis zur Wohnungstür. Vor der Haustür war, dank der Baustelle im Turm nebenan, nicht einmal mehr Platz, um kurz zu halten. Ich: Verdacht auf Kreuzband- und Meniskusriss, Krücken.

Bepackt mit einem schweren Rucksack und einer leichten, aber nervigen Tasche mache ich mich also auf den langen Weg nach oben. Ohne die Tasche, die dauernd gegen meine rechte Krücke deppert, dauert es gute fünf Minuten, ich bin recht schnell unterwegs. Mit Tasche? Ich will es eigentlich gar nicht wissen.

Da steht auf einmal meine Nachbarin vor mir. Sie hatte eben ihre Balkonblumen gegossen und gesehen, wie ich voll bepackt, mit Krücken, die Treppe in Angriff genommen hatte. Das kann ja nicht sein, also kam sie mir die komplette Treppe entgegen, nimmt mir Tasche UND Rucksack ab und begleitet mich nach oben.

#somanygoodpeoplearound!

Was ist eigentlich Resilienz?

Kurzmitteilung

Im Januar schon, ein paar Tage her, hörte ich durch Zufall einen Vortrag zum Thema Stressmanagement von Dr. med. Barbara Hochstrasser, Präsidentin des Schweizer Expertennetzwerk für Burnout, in Stuttgart. Erst dachte ich, oh no, nicht schon wieder. Dann ging es mir ziemlich nah, ich überlegte den Raum zu verlassen. Und dann blieb ich doch sitzen. Denn mir erschien ihr Ansatz ganzheitlicher als alles, was ich bisher so gehört und gelernt hatte. Und vor allem dröselte sie diese ominöse „Resilienz“ in ihre Bestandteile auf. Was bedeutet Resilienz? Welche Faktoren beeinflussen sie? Und ganz wichtig: An welchen kann ich arbeiten?

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Was sich geändert hat

Manchmal bin ich in Versuchung, alte Fehler zu wiederholen. Anderes aber mache ich nun tatsächlich anders. Nämlich:

  • Ich nehme Freiräume, die sich mir bieten, bewusst wahr. Und nutze sie.
  • Ich nehme mir Auszeiten: ich meditiere regelmäßig und gehe wieder öfter mal in den Gottesdienst. Ich mache regelmäßig Yoga.
  • Ich bete wieder nachts, vor dem Schlafen gehen. Ich versuche, mir die Dankbarkeit zu bewahren. 
  • Ich genieße Zeit mit mir.
  • Zum Abschalten: Klettern, turnen, Ski fahren. Da ist mein Kopf so beschäftigt, dass er gar keine Zeit hat, sich den Kopf zu zerbrechen. Und Sport kurbelt die Serotonin (=Glückshormon)-Ausschüttung an.
  • Praktischerweise gerate ich momentan beim Lernen – wenn es denn interessanter Stoff ist – in einen richtigen Flow. Hat den gleichen Effekt wie eine Stunde Yoga. Und für die Klausur ist auch gelernt.
  • Ich schlafe wenn irgendwie möglich genügend – mindestens sieben Stunden – und versuche, einen halbwegs geregelten Schlafrhythmus einzuhalten
  • Wenn’s hart kommt und der Kopf überquillt: Tagebuch. Tagebuch. Tagebuch!
  • Clean Eating. Du bist, was du isst. Deshalb versuche ich, mich möglichst ohne künstliche Farbstoffe und Geschmacksverstärker und und und zu ernähren.

Ich lache laut.

Spüre mich und die Welt um mich herum intensiv.

Und vor allen Dingen versuche ich, jede Minute zu genießen. Denn es geht mir wieder gut. Und das ist ein Geschenk!

#goodpeoplearound

Auslandsaufenthalt während der Promotion, zwei Wochen in Kanada, der Prof bekannt, sonst aber niemand. Das könnten zwei einsame Wochen werden, da zudem dort gerade Semesterferien sind.

Und dann meldet sich auf die Rundmail des Profs an seine kanadischen Studenten innerhalb von zwei Stunden ein deutsches Mädel, die an einem benachbarten Lehrstuhl promoviert. Mit einer zweiseitigen E-Mail – inklusive Wohnungsangeboten, Tipps zur Uni und zum Studentenleben dort, den besten Stränden und Ausflügen dort. Obwohl sie noch gar nicht weiß, ob sie im Sommer überhaupt noch selbst in Vancouver ist. #goodpeoplearound

 

Alte Fehler neu gemacht.

Es ist wieder Frühling. Ich bin wieder in München. Übers Wochenende zumindest.

Die erste Prüfungsphase ist geschafft, Probezeit bestanden. Der Neuanfang ist vorbei, er ist mittlerweile Alltag. Ein guter, schöner Alltag, meistens entspannt, mit tollen Menschen um mich herum.

Ich habe einen weiteren Meilenstein hinter mir gelassen, ich bin definitiv wieder im echten Leben angekommen. Als ich im Oktober mit der neuen Ausbildung begonnen habe, hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet. War es richtig, mich auf mein Bauchgefühl zu verlassen? Neue Stadt, neue berufliche Ausrichtung, neue Wohnung, neu, neu, neu? Bin ich überhaupt schon fit genug für neu, neu, neu?

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#goodpeoplearound

Ich wohne in einer wunderbaren WG in einem wunderbaren Häuschen, in der Stadtmauer eines kleinen Städtchens. In den kleinen Gässchen gibt es jedoch kaum Stellplätze, so dass wir in der Regel auf einen städtischen Parkplatz ausweichen. Er liegt beinahe direkt unterhalb unserer Wohnung, direkt neben der Donau, die Luftlinie zwischen Haustür und Auto beträgt kaum 20 Meter; es liegen jedoch 96 Treppenstufen dazwischen.

Es hört sich schlimmer an, als es ist, man gewöhnt sich schnell daran. Die Treppen sind höchstens noch willkommenes Po-Training, außer man hat gerade den wöchentlichen Lebensmitteleinkauf erledigt und, warum auch immer, vergessen, zuerst oben an der Haustür in der Altstadt den Einkauf auszuladen. Da stand meine Mitbewohnerin also mit einem halben Kofferraum voller Bananen, Kopierpapier, Klopapier, Lachs, Nudeln, … und türmte alles vor sich auf – gerade so, dass sie noch darüber sah. Warum auch zweimal gehen, wenn man schon irgendwie alles auf einmal tragen kann? Hochkonzentriert balancierte sie die Stufen hinauf, bis ihr auf halber Strecke eine unbekannte Frau entgegenkam. Mit einem „noi, des kann i net mit anschauen. Geben’s her, bevor’s noch was verlieren!“ nahm sie einfach die obersten Packungen Toilettenpapier von Lisas Stapel und ging hinter meiner völlig perplexen Mitbewohnerin die Treppen wieder hoch. Oben angekommen wünschte sie Lisa noch einen schönen Tag, mehr als ein Dankeschön wollte sie nicht akzeptieren, drehte um und ging die Treppe wieder hinunter zum Parkplatz.

Danke! Einfach so. #goodpeoplaround

Wenn die Black Box transparent wird

Entschuldigt bitte, dass ich mich hier so selten zu Wort melde. Zu Schreiben hätte ich genug. Aber ich stecke momentan mitten in der Prüfungszeit… vier Wochen noch.

Manchmal schaffe ich es jedoch trotzdem, durch die Süddeutsche Zeitung zu blättern. Dabei habe ich in der Wochenendausgabe vom 20. Januar ein hochspannendes Interview über die Entwicklung der Büroarbeit entdeckt. Industrie- und Arbeitssoziologe Andreas Boes präsentiert darin die Ergebnisse einer dreijährigen Feldstudie. Weiterlesen