Befreit

Kennt ihr das, wenn etwas richtig Blödes passiert, und man kann nur zusehen? Wenn zum Beispiel das fast neue Handy in Zeitlupentempo aus der Hand rutscht und dann eine Treppenstufe nach der anderen abwärts purzelt, ohne dass man es fangen oder aufhalten oder bremsen kann?

Jedenfalls ist das Handydisplay schwarz, klingeln tut’s noch brav, aber das hilft ja wenig, wenn man nicht hingehen kann. Im Moment ist das gute Ding per Express unterwegs zur Reparatur. Zuerst habe ich mich über meine eigene Ungeschicklichkeit geärgert. Dann war ich ziemlich nervös: vier Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin ohne Handy und übrigens auch ohne Festnetztelefon – und bis dahin wäre noch so viel zu erledigen (ihr werdet bald sehen, was). Es gibt ganz sicher günstigere Zeitpunkte, um handylos zu sein.

Aber nach dem der erste Schock nun verdaut ist (oder die ersten Entziehungserscheinungen) fühle ich mich: befreit. Es war so viel los in den vergangenen Wochen, es ging drunter und drüber, und es wird auch in nächster Zeit gewiss einiges los sein, dafür wird spätestens das Baby sorgen. Aber ohne Handy bin ich nicht erreichbar, bin ich frei.

Ich kann mich mittags hinlegen, ohne dass eine wichtige Mail oder ein Anruf mich wieder aus meinem Dösen reißt, komischerweise bin ich auch viel ruhiger, wenn ich nicht ständig durch irgendwelche Instareels scrolle… es fühlt sich fast ein bisschen wie Urlaub an. Gerade bin ich fast ein bisschen froh für die unverhoffte Ruhepause. Vielleicht hat mein Unterbewusstsein ja sogar absichtlich diesen Störapparat die Treppe hinabgeschickt. Wer weiß.

Mach‘ ich eine verdiente Pause oder bin ich einfach faul?

Kennt ihr das? Ich liege in der Sonne, oder einfach im Bett, schaue irgendeine Serie, vielleicht habe ich davor sogar schon etwas erledigt. Die To-Do-Liste ist aber selten ganz aufgearbeitet und dann fängt es in mir schon an:

Du bist faul! Tu was!, motzt der innere Kritiker.

Aber Pausen und auch Faulsein sind super wichtig, fördern sogar die Kreativität, das weißt du doch spätestens seit dem Burn-out, kontert irgendeine andere Stimme.

Ja, was tue ich denn da gerade? Faulenzen? Oder Pause machen?

Normalerweise habe ich einen Dienstplan. Da ist fein geregelt, wann ich Pause habe und wann nicht, da kann ich das easy unterscheiden. In den Monaten, in denen ich krankgeschrieben war, ist ja jetzt auch schon eine Weile her, hatte ich mir ein ganz gutes Gerüst entwickelt, und – da war ich krankgeschrieben. Da sollte ich per definitionem faulenzen (also gesund werden). Momentan bin ich im Beschäftigungsverbot, das heißt: zwar in anderen Umständen, aber (glücklicherweise!) definitiv nicht krank. Und im Haus und am Buch und am Bürokratie-Schreibtisch gäbe es genug zu tun, die To-Do-Listen werden nicht kürzer. Und je länger dieses Beschäftigungsverbot dauern, desto mehr kämpfe ich innerlich mit meiner Produktivität bzw. Faulheit.

Ich weiß, dass dieses „immer Arbeiten, immer produktiv sein“ ein ganz stark in mir verhafteter Glaubenssatz ist, sehr deutsch, zu viele Bauernhof-Gene vermutlich. Seit mir das in der Therapie so bewusst wurde, hatte ich das ganz gut im Griff – aber ich habe seither immer entweder mit einen Lehrplan mit Prüfungen oder eben geregelte Arbeitszeiten gelebt, die mir sehr gut halfen, diesen Glaubenssatz einzugrenzen. Wenn für die Prüfung gelernt war oder Feierabend, war eben Feierabend, wohlverdient.

Nun, so den ganzen Tag zu Hause ohne einen festen Plan von außen, kämpfen die beiden Stimmen in meinem Kopf. Einen Masterplan, die beiden zur Ruhe zu bringen, habe ich noch nicht entwickelt. Zeitpläne, To-Do-Listen helfen zwar, aber so ganz zur Ruhe kommt der Kritiker nicht. Wenn mir nicht gerade ohnehin vor lauter Müdigkeit auch tagsüber die Augen zufallen (wie macht man das nur, wenn man sich parallel noch um ein Kind und nen Job kümmern muss?!), muss ich mir selbst die Pausen richtig zugestehen. Eiei. Diese Glaubenssätze sind ganz schön hartnäckig, das Arbeiten daran hört einfach nicht auf. Tipps, anyone? Gern in den Kommentaren 🙂

Aus der Versenkung

Hieroglyphen, eh, Korrekturzeichen:
„Blank“ einfügen, zusammenziehen, löschen, ab hier – bis dorthin.

Meinen allerersten Manuskriptentwurf habe ich mit einem guten Freund, der sich in dem Metier auskennt, überarbeitet. Erzählstruktur, rote Fäden, Leitmotiv, Personen auf- und ausbauen: All das, was man normalerweise vermutlich gleich mit dem ersten Plott, also dem „Ideenplan“ erarbeitet, habe ich erst in diesem zweiten Arbeitsgang integriert. Das hat ziemlich viel Zeit gekostet, gleichzeitig aber auch sehr viel Spaß gemacht. Diese Art von kreativem Arbeiten kannte ich bis dato nicht, aber sie brachte mir sehr viel neuen Input sowie gute Perspektiven.

Daraufhin hatte ich gehofft, vielleicht tatsächlich eine Agentur oder gleich einen Verlag für mein Projekt begeistern zu können. Die Antwort (immerhin kamen Antworten!) lautete meist ähnlich: Klingt spannend, aber das Thema ist schwierig, würde nur mit einem prominenten Namen laufen. Sorry Leute, aber ich bin nicht Kurt Krömer, leider.

Ein wenig frustriert hat mich das zugegebenermaßen schon, auch wenn mir im vorhinein schon klar war, dass die Chance, „groß“ verlegt zu werden, sehr gering ist. Das war der Moment, an dem ich eine längere Pause einlegte. Schließlich fokussierte ich mich auf die Serie in der NEON, schrieb „nebenbei“ mein Staatsexamen, zog um und startete beruflich neu. Da lag die Prio dann erstmal recht weit weg von Blog und Schreiben.

Um das Projekt ganz ad acta zu legen, hatte ich zu diesem Zeitpunkt aber schon viel zu viel Zeit und Herzblut investiert. Nachdem ich in meinem neuen Leben also ein wenig angekommen war, startete ich also den nächsten Schritt. Da ja nach wie vor leider keine Agentur um die Ecke kam, eben in Eigenregie: Lektorat. Hier habe ich tatsächlich einfach im Web losgegoogelt und mit viel Glück eine wunderbare Lektorin gefunden. In zwei weiteren Gängen (umgerechnet einem halben Jahr) wurde nun, erstmals von einer komplett Außenstehenden, Satz für Satz auf den Prüfstand gestellt: Stimmen Inhalt, Spannungsbogen, Chronologie, Zeichensetzung, Zeiten, Absatz, Stil?

Daraufhin folgte das fachliche Korrektorat. Ich habe keinen Ratgeber geschrieben und bin selber keine Psychologin, das steht auch im Klappentext laut und deutlich – aber Unsinn verzapfen will ich natürlich trotzdem nicht. Also wanderte mein Manuskript zu einer Professorin, um mich fachlich abzusichern.

Last but not least habe ich währenddessen und anschließend einige Zeit damit verbracht, Klappentexte zu verfassen, den besten Titel zu finden sowie alle meine Quellen zu sammeln und Freigaben einzuholen.

Siehe da: Keine fünf Jahre später sitze ich mit einer ehemaligen Kollegin zusammen und bespreche mit ihr das finale Korrektorat. Von ihr stammen auch diese schönen Hieroglyphen. Im Moment sitze ich jetzt also an der letzten Runde, bessere die übrigen Rechtschreibfehler aus und werde mich dann nochmal mit Word herumschlagen um dann endlich, endlich eine fertige Datei zu haben, die ich bei BOD hochladen kann. Parallel bin ich maximal gespannt auf den Termin mit meinem Coverdesigner.

Was dann kommt? Na, ihr! Dann gibt’s mein Werk endlich überall zu kaufen und zu lesen 🙂

Lebenszeichen

Spoiler: Ein Haus zu bauen – noch dazu in Eigenregie – ist tatsächlich so stressig wie immer alle behaupten. Es raubt einem jede freie Minute, Energie und mir auch die Ruhe, die ich zum Schreiben dringend brauche. Deshalb war es hier in den vergangenen Monaten so still.

Ein paar kleine Fortschritte gibt es dennoch zu vermelden, hin und wieder habe ich mir doch ein wenig Zeit und Energie abgeknapst: der Klappentext ist fertig, die Quellen sind größtenteils recherchiert und ich habe zwei tolle KollegInnen finden können, die mir in Sachen Korrektorat und Cover unter die Arme greifen (und nach wie vor auf meinen Input warten). Ein Tag Arbeit wäre das, schätze ich. Nicht viel, eigentlich. Aber den Prio eins Platz belegt eben gerade das Haus. Noch habe ich die Hoffnung allerdings nicht aufgegeben, dass es mit dem Estrich im Untergeschoss in ein paar Woche ruhiger wird.

Und, das will ich bei all dem Gejammere nicht vergessen: Zwar steht das Buchprojekt über einen kleinen Ausschnitt meiner Vergangenheit gerade still – dafür kann ich aber tagtäglich zusehen, wie mein zukünftiges Zuhause Form annimmt. So stressig es gerade ist – tauschen möchte ich auf gar keinen Fall.

Link

Endlich Neuigkeiten von mir! Genauer gesagt, mit mir: Ich war zu Gast beim amPULS – imPULS – Podcast der famPLUS GmbH und habe mich dazu mit Valérie über mein Thema, das Thema Burn-out, unterhalten. Was die WHO und Franz Kafka zu dieser Krankheit zu sagen haben, könnt ihr euch ab sofort hier oder auch sonst überall anhören, wo es Podcasts gibt.

PS: Einen allerersten Sneak Peak in mein Manuskript gibt es im Podcast übrigens auch! Sonst warte ich derzeit noch auf die Rückmeldung aus dem fachlichen Lektorat… Ich melde mich, sobald es etwas Neues gibt!

Alea iacta est.

Tausend Dank für das zahlreiche Feedback zu meiner Titelumfrage! Nicht im Traum hätte ich mit so vielen Abstimmungen gerechnet. Das steigert die Motivation, endlich Nägel mit Köpfen abzuliefern, ungemein.

Anfangs schien es ein knallenges Kopf-an-Kopf-Rennen zu werden, zuletzt aber kristallisierte sich ein eindeutiger Sieger heraus:

Grüße aus der Psychiatrie
oder: Burn-out kommt auch im Alphabet vor Glück

Ursprünglich wollte ich mich vom Titel dieses Blogs lösen und hatte „Grüße aus der Psychiatrie“ nur der Vollständigkeit halber mit in die Abstimmung aufgenommen. Warum, kann ich euch gar nicht so genau sagen. Aber ihr habt mich – hier, auf Insta und auch privat- ganz eindeutig überstimmt. Einige Nächte habe ich nun darüber geschlafen und jetzt meint auch mein Bauchgefühl, dass euer Favorit wunderbar passt. Und nachdem ja ohnehin nicht ich, sondern ihr das Buch lesen sollt, haben wir einen Sieger! 🙂

Diese Etappe kann ich nun also auch abhaken. Next step: fachliches Korrektorat!

Ich brauche eure Hilfe!

Nun habe ich schon einige Nächte darüber geschlafen, aber wirklich schlauer bin ich nicht. Deshalb bitte ich euch um Rat: für welchen Buchtitel soll ich mich entscheiden, welches Buch würdet ihr am Ladentisch in die Hand nehmen?

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Vielen Dank für deine Antwort. ✨

Welcher Titel weckt dein Interesse?(erforderlich)



Vielen Dank für eure Unterstützung!
Sophie

Neues Jahr, neues Glück

Gut fünf Jahre ist es nun her, dass ich hier den ersten Beitrag verfasst habe. Anfangs beinahe täglich, so viel hatte ich zu erzählen, in den vergangenen Jahren nur noch sehr selten. Das hat einen Grund: mein Leben ging glücklicherweise weiter. Ich habe eine Ausbildung zur Physiotherapeutin abgeschlossen, zwischenzeitlich für die neon.de geschrieben und mittlerweile arbeite ich hauptberuflich in der neurologischen Früh-Reha. Keinen einzigen Tag habe ich die Entscheidung, beruflich noch mal neu anzufangen, bereut.

Dass es hier so lange so ruhig war, hat aber auch einen ganz anderen Grund: Vor drei Jahren etwa habe ich beschlossen, dass meine vielen Blogbeiträge nicht in den Untiefen des Internets versauern sollen. Nein, es soll ein Buch daraus entstehen. Eines, das aufklärt und den Leser vielleicht zum Nachdenken bringt, aber vor allen Dingen eines, dass sich trotz des schweren Inhalts leicht und spannend liest. Die Arbeit am Manuskript war sehr viel schwieriger als gedacht. Einfach die unzähligen Blogartikel aneinander reihen – funktionierte nicht. Ich habe also nicht nicht mehr geschrieben, sondern woanders.

Momentan ist das Manuskript im Lektorat, es soll dieses Jahr veröffentlicht werden. Wie, ob im Selbstverlag oder ob sich doch noch eine andere Möglichkeit eröffnet, steht noch nicht fest. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie es mit meinem Buchprojekt in diesem Jahr weitergeht. Hier auf dem Blog und auch auf Instagram unter @soph.blau werde ich euch darüber auf dem Laufenden halten – und freue mich natürlich, wenn ihr mir auch auf dieser Reise Gesellschaft leistet oder mich mit Tipps und Connections unterstützt! 🙂

Auf ein gutes und gesundes 2021!

Sophie

Aufklärung in den Lehrplan!

Kurzmitteilung

Einige Abiturienten aus dem Süden Münchens haben nicht nur einen vielbeachteten Film über Depression gedreht („Grau ist keine Farbe“), sondern auch eine Petition gestartet: Die Aufklärung über psychische Krankheiten wie eben die Depression soll fester Bestandteil des Lehrplans werden! Diese Woche sprachen sie deshalb vor einem Ausschuss des Bayerischen Landtags. Ich glaube, ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich das mehr als gut finde.

Wer die Petition unterstützen will klickt, einmal bitte hier:

Link zur Petition

Und wer mehr darüber lesen will, klickt bitte hier:

Link zur Website des Filmprojekts „Grau ist keine Farbe“

Link zum Artikel des Bayrischen Rundfunks zur Ausschusssitzung des Landtags

Buchtipp: Sophia, der Tod und ich

Lang, lang ist es her, dass ich hier den letzten Buchtipp veröffentlicht habe. Weil ich leider nicht mehr so viel zum Lesen komme, seit mich die Ausbildung beschäftigt, weil die Bücher, die ich gelesen habe, nicht wirklich empfehlenswert waren und weil ich sage und schreibe das komplette vergangene halbe Jahr mit der spanischen Originalversion von „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ verbracht habe…

Jedenfalls habe ich vergangenes Wochenende im unaufgeräumtesten Bücherregal aller Zeiten bei einem Kumpel eben Thees Uhlmanns „Sophia, der Tod und ich“ entdeckt. Obwohl nicht absehbar war, dass ich im nächsten halben Jahr – danke, Staatsexamen – wirklich Zeit haben würde zu Lesen, lieh ich es aus. Prompt wurde ich in der darauffolgenden Woche krank und war heilfroh, dass da nun immerhin noch ein Buch in meinem Regal stand, das weder Fachliteratur noch bereits gelesen war.

Uhlmann liest sich leicht und locker. Er nimmt einen direkt mit in die Welt seines Ich-Erzählers. Und der sinniert über Kaffeeduft, alte Polen, Fußballspiele und eine alte Liebe, an was man eben so denkt – bis plötzlich der Tod vor ihm steht.

Doch das Sterben geht schief. Gründlich sogar – und so bleibt nicht nur der Protagonist vorerst am Leben, sondern er behält den Tod an seiner Seite. Mitten im Leben. Schönschönschön? Ja nu, erklärt ihr mal eurer Ex-Freundin, eurer Mutter und dem eigenen Sohn, den ihr seit sehr, sehr langer Zeit nicht gesehen habt, dass das neben euch der Tod ist. Immerhin: Der Tod ist sehr freundlich und kommt gut an.

Uhlmanns Geschichte ist von vorn bis hinten verrückt, manchmal tiefenphilosophisch oder traurig, aber gleich im nächsten Moment wieder urkomisch und einfach schön. Sophia, der Tod und ich – 318 Seiten Lebensfreude.